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	<title>Zivilrecht &#8211; rechtundgeld.de</title>
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	<title>Zivilrecht &#8211; rechtundgeld.de</title>
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	<item>
		<title>Aktien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[RosaKra]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 17:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
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					<description><![CDATA[Einleitung Kennt ihr das Lied Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an? Es stammt von Udo Jürgens und ist zu einer Hymne für Rentner geworden. Ältere Leute haben oft Angst vor dem Ruhestand. Sie befürchten, dass sie nicht genug Geld haben und auf dem Abstellgleis stehen. Das Lied Mit 66 Jahren vermittelt ihnen mit einem Augenzwinkern die Botschaft, dass das Leben mit Renteneintritt noch lange nicht zu Ende ist. Man kann schließlich immer noch mit dem Motorrad durch die Gegend fegen oder mit den Freunden aus dem Pensionärs-Verein eine Jazz-Band gründen. Außerdem kann man mit der Oma in die Diskothek zum Rocken gehen oder nach San Franzisco fliegen, um sein Rheuma auszukurieren. Mit dem Renteneintritt fängt das Leben eben erst an. Ich liebe dieses Lied. Als ich kürzlich ein Buch für Jugendliche über die verschiedenen Anlagearten schrieb, habe ich es dem verstorbenen Udo Jürgens gewidmet, um mich für dieses wunderbare Lied zu bedanken. Mein Buch für Jugendliche heißt Marie und die Geldanlage. Es ist die Fortsetzung meines Kinderbuchs Marie und das Geld. Marie ist nun 14 Jahre alt und möchte alles über Investitionen wissen. Das ist deshalb wichtig, weil man neben der gesetzlichen Rente auch noch eine private Geldanlage braucht, um in der Rente gut leben zu können. Mit der richtigen Geldanlage auf dem Depot kann man dem Rentnerleben ruhig und gelassen entgegensehen. Unter dem Punkt Veröffentlichungen oben auf der Webseite kannst du mehr über das Buch Marie und die Geldanlage erfahren. Dort steht dazu auch wieder eine kostenlose App zur Verfügung. In diesem Artikel möchte ich euch aus dem Buch das Kapitel über die Aktien aufbereiten. Zusätzlich zu den Informationen im Buch möchte ich hier noch erklären, wie die Aktien an die Börsen kommen. Denn nur über die Börse sind die Aktien für jeden leicht zu kaufen und zu verkaufen. Die Aktien habe ich zu Ehren des englischen Anwalts Philip Wood ausgewählt. Als er mir zu dem Kinderbuch Marie und das Geld gratulierte, fragte er, ob ich nicht auch ein Kinderbuch über Aktiengesellschaften schreiben möchte. Denn Aktiengesellschaften seien neben dem Geld eine weitere großartige Erfindung der Menschen. Da ich Philip für sein profundes Wissen und seine rechtsvergleichenden Arbeiten immer sehr bewundert habe, hoffe ich, er verzeiht mir, dass das hier kein Buch, sondern nur ein winzig kleiner Artikel über Aktien ist. Außerdem wird allein auf das deutsche Aktienrecht Bezug genommen. Ein Vergleich verschiedener Rechtsordnungen würde ganze Bücher füllen. Wir wollen in dem Artikel folgenden Fragen nachgehen: Was sind Aktien? In welchem Gesetz sind Aktiengesellschaften in Deutschland geregelt?  Wie kommen Aktien an die Börse, damit sie leicht handelbar sind? Wie kann man Aktien für sein Depot kaufen und verkaufen? Welche Risiken gibt es? &#160; Was sind Aktien? Aktien kennt jeder vom Hörensagen, aber die wenigsten wissen, was Aktien genau sind. Zu Aktienfonds oder Aktien-ETFs verweise ich auf die entsprechenden Kapitel in meinem Buch. Aktien sind die bekannteste Form der Wertpapiere (Urkunden, die ein Vermögensrecht verkörpern – diese Urkunden gibt es heute allerdings nicht mehr, weil das Vermögensrecht elektronisch erfasst wird). Sie verbriefen ein Miteigentumsrecht an einer Aktiengesellschaft (AG). Unternehmen, das als AG organisiert sind, heißen Aktiengesellschaften (AGen). Bei einer AG finanzieren eine Vielzahl von Investoren eine Geschäftsidee, die sie beeindruckt. Als Gegenwert für das investierte Geld bekommen sie einen Miteigentumsrecht an der AG. Die Geldsumme, die für die großartige, aber riskante Idee benötigt wird, wird in viele kleine Stücke zerlegt, in Aktien. Eine große Zahl von Anlegern kauft eine oder mehrere dieser Aktien. Damit verteilt sich das Risiko zur Verwirklichung der Idee auf viele Schultern. Die Investoren heißen Aktionäre. Ihnen gehört dann das Unternehmen gemeinsam. Wenn für die benötigte Geldsumme beispielsweise 1000 Aktien ausgegeben werden, gehört dem Aktionär, der eine Aktie besitzt, ein Tausendstel des Unternehmens. Riskant ist die Investition deshalb, weil die Geschäftsidee erst umgesetzt werden muss. Eine Idee ist gut, aber nicht alles. Ihre Umsetzung ist mühsam und erfordert viel Arbeit, Zeit und Geduld. Natürlich werden Aktien nicht nur bei der Gründung einer AG ausgegeben. Auch wenn bereits geründete Unternehmen weitere Ideen haben oder sich im In- oder Ausland vergrößern wollen, können neue Aktien ausgegeben werden. Wenn die neuen Aktien nicht von den bereits vorhandenen Miteigentümern gekauft werden, erhöht sich die Anzahl der Aktionäre. Bei großen Unternehmen gibt es oft mehrere Hundertausende oder Millionen von Aktionären über die ganze Welt verteilt. Aktiengesellschaften werden also deshalb gegründet, weil die Unternehmen Kapital brauchen. Die Leute, die die Ideen haben, haben meist selbst nicht genug Geld, um das Unternehmen allein zu finanzieren. Deshalb bekommen sie von anderen, das Geld, das sie brauchen, um ihre Ideen umzusetzen. Im Gegenzug erwarten die Aktionäre, dass die Unternehmensführung und die Mitarbeiter des Unternehmens die Ideen gut umsetzen und Gewinne erzielen. So können die Unternehmensgründer z.B. das produzieren, was sie verkaufen möchten. Erst nach dem Verkauf nehmen sie Geld ein. Wenn ein Unternehmen z.B. Autos produzieren und verkaufen möchte, braucht es eine Fabrikhalle, Maschinen, Metalle, Werkzeuge, Arbeitnehmer, die zu bezahlen sind, und vieles mehr. Um das Geld für all das zusammen zu bekommen, werden Aktien ausgeben. Die Käufer der Aktien (= Aktionäre) stellen dem Unternehmen das Kapital zur Verfügung, das es braucht, um all die Anschaffungen und Mitarbeiter zu bezahlen. Deshalb werden sie Miteigentümer des Unternehmens. Wenn die Autos dann verkauft werden, kann weiter ausgebaut werden und ein Teil des eingenommenen Geldes auch an die Aktionäre verteilt (= ausgeschüttet) werden, wenn Gewinne erzielt werden und die Mehrheit der Miteigentümer das möchte. Denn die Aktionäre haben als Miteigentümer einen Anspruch auf den ausgeschütteten Gewinn der AG (= Dividende). Außerdem hoffen sie, dass der Wert der Aktie so wächst, dass sie die Aktie mit Gewinn verkaufen können. Wer eine VW-Aktie kauft, ist Miteigentümer der Volkswagen Aktiengesellschaft (AG) in Wolfsburg. Wer eine BASF-Aktie kauft, ist heute Miteigentümer der europäischen BASF SE. SE bedeutet Societas Europaea. Die BASF in Ludwigshafen war früher die Badische Anilin &#38; Soda-Fabrik AG, ist aber seit 2007 keine deutsche AG mehr, sondern eine europäische Aktiengesellschaft. Wer eine Ford-Aktie kauft, ist Miteigentümer der amerikanischen Ford Motor Company, also einer amerikanischen Aktiengesellschaft (= Corporation). Diese]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einleitung</strong></p>
<p>Kennt ihr das Lied <em>Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an</em>? Es stammt von Udo Jürgens und ist zu einer Hymne für Rentner geworden.</p>
<p>Ältere Leute haben oft Angst vor dem Ruhestand. Sie befürchten, dass sie nicht genug Geld haben und auf dem Abstellgleis stehen. Das Lied <em>Mit 66 Jahren</em> vermittelt ihnen mit einem Augenzwinkern die Botschaft, dass das Leben mit Renteneintritt noch lange nicht zu Ende ist. Man kann schließlich immer noch mit dem Motorrad durch die Gegend fegen oder mit den Freunden aus dem Pensionärs-Verein eine Jazz-Band gründen. Außerdem kann man mit der Oma in die Diskothek zum Rocken gehen oder nach San Franzisco fliegen, um sein Rheuma auszukurieren. Mit dem Renteneintritt fängt das Leben eben erst an.</p>
<p>Ich liebe dieses Lied. Als ich kürzlich ein Buch für Jugendliche über die verschiedenen Anlagearten schrieb, habe ich es dem verstorbenen Udo Jürgens gewidmet, um mich für dieses wunderbare Lied zu bedanken.</p>
<p>Mein Buch für Jugendliche heißt <em>Marie und die Geldanlage</em>. Es ist die Fortsetzung meines Kinderbuchs <em>Marie und das Geld</em>. Marie ist nun 14 Jahre alt und möchte alles über Investitionen wissen. Das ist deshalb wichtig, weil man neben der gesetzlichen Rente auch noch eine private Geldanlage braucht, um in der Rente gut leben zu können. Mit der richtigen Geldanlage auf dem Depot kann man dem Rentnerleben ruhig und gelassen entgegensehen.</p>
<p>Unter dem Punkt Veröffentlichungen oben auf der Webseite kannst du mehr über das Buch <em>Marie und die Geldanlage</em> erfahren. Dort steht dazu auch wieder eine kostenlose App zur Verfügung.</p>
<p>In diesem Artikel möchte ich euch aus dem Buch das Kapitel über die Aktien aufbereiten. Zusätzlich zu den Informationen im Buch möchte ich hier noch erklären, wie die Aktien an die Börsen kommen. Denn nur über die Börse sind die Aktien für jeden leicht zu kaufen und zu verkaufen.</p>
<p>Die Aktien habe ich zu Ehren des englischen Anwalts Philip Wood ausgewählt. Als er mir zu dem Kinderbuch <em>Marie und das Geld</em> gratulierte, fragte er, ob ich nicht auch ein Kinderbuch über Aktiengesellschaften schreiben möchte. Denn Aktiengesellschaften seien neben dem Geld eine weitere großartige Erfindung der Menschen. Da ich Philip für sein profundes Wissen und seine rechtsvergleichenden Arbeiten immer sehr bewundert habe, hoffe ich, er verzeiht mir, dass das hier kein Buch, sondern nur ein winzig kleiner Artikel über Aktien ist. Außerdem wird allein auf das deutsche Aktienrecht Bezug genommen. Ein Vergleich verschiedener Rechtsordnungen würde ganze Bücher füllen.</p>
<p>Wir wollen in dem Artikel folgenden Fragen nachgehen: Was sind Aktien? In welchem Gesetz sind Aktiengesellschaften in Deutschland geregelt?  Wie kommen Aktien an die Börse, damit sie leicht handelbar sind? Wie kann man Aktien für sein Depot kaufen und verkaufen? Welche Risiken gibt es?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Was sind Aktien?</strong></p>
<p>Aktien kennt jeder vom Hörensagen, aber die wenigsten wissen, was Aktien genau sind. Zu Aktienfonds oder Aktien-ETFs verweise ich auf die entsprechenden Kapitel in meinem Buch.</p>
<p>Aktien sind die bekannteste Form der Wertpapiere (Urkunden, die ein Vermögensrecht verkörpern – diese Urkunden gibt es heute allerdings nicht mehr, weil das Vermögensrecht elektronisch erfasst wird). Sie verbriefen ein Miteigentumsrecht an einer Aktiengesellschaft (AG). Unternehmen, das als AG organisiert sind, heißen Aktiengesellschaften (AGen).</p>
<p>Bei einer AG finanzieren eine Vielzahl von Investoren eine Geschäftsidee, die sie beeindruckt. Als Gegenwert für das investierte Geld bekommen sie einen Miteigentumsrecht an der AG.</p>
<p>Die Geldsumme, die für die großartige, aber riskante Idee benötigt wird, wird in viele kleine Stücke zerlegt, in Aktien. Eine große Zahl von Anlegern kauft eine oder mehrere dieser Aktien. Damit verteilt sich das Risiko zur Verwirklichung der Idee auf viele Schultern. Die Investoren heißen Aktionäre. Ihnen gehört dann das Unternehmen gemeinsam. Wenn für die benötigte Geldsumme beispielsweise 1000 Aktien ausgegeben werden, gehört dem Aktionär, der eine Aktie besitzt, ein Tausendstel des Unternehmens.</p>
<p>Riskant ist die Investition deshalb, weil die Geschäftsidee erst umgesetzt werden muss. Eine Idee ist gut, aber nicht alles. Ihre Umsetzung ist mühsam und erfordert viel Arbeit, Zeit und Geduld.</p>
<p>Natürlich werden Aktien nicht nur bei der Gründung einer AG ausgegeben. Auch wenn bereits geründete Unternehmen weitere Ideen haben oder sich im In- oder Ausland vergrößern wollen, können neue Aktien ausgegeben werden. Wenn die neuen Aktien nicht von den bereits vorhandenen Miteigentümern gekauft werden, erhöht sich die Anzahl der Aktionäre. Bei großen Unternehmen gibt es oft mehrere Hundertausende oder Millionen von Aktionären über die ganze Welt verteilt.</p>
<p>Aktiengesellschaften werden also deshalb gegründet, weil die Unternehmen Kapital brauchen. Die Leute, die die Ideen haben, haben meist selbst nicht genug Geld, um das Unternehmen allein zu finanzieren. Deshalb bekommen sie von anderen, das Geld, das sie brauchen, um ihre Ideen umzusetzen. Im Gegenzug erwarten die Aktionäre, dass die Unternehmensführung und die Mitarbeiter des Unternehmens die Ideen gut umsetzen und Gewinne erzielen.</p>
<p>So können die Unternehmensgründer z.B. das produzieren, was sie verkaufen möchten. Erst nach dem Verkauf nehmen sie Geld ein. Wenn ein Unternehmen z.B. Autos produzieren und verkaufen möchte, braucht es eine Fabrikhalle, Maschinen, Metalle, Werkzeuge, Arbeitnehmer, die zu bezahlen sind, und vieles mehr. Um das Geld für all das zusammen zu bekommen, werden Aktien ausgeben. Die Käufer der Aktien (= Aktionäre) stellen dem Unternehmen das Kapital zur Verfügung, das es braucht, um all die Anschaffungen und Mitarbeiter zu bezahlen. Deshalb werden sie Miteigentümer des Unternehmens. Wenn die Autos dann verkauft werden, kann weiter ausgebaut werden und ein Teil des eingenommenen Geldes auch an die Aktionäre verteilt (= ausgeschüttet) werden, wenn Gewinne erzielt werden und die Mehrheit der Miteigentümer das möchte. Denn die Aktionäre haben als Miteigentümer einen Anspruch auf den ausgeschütteten Gewinn der AG (= Dividende). Außerdem hoffen sie, dass der Wert der Aktie so wächst, dass sie die Aktie mit Gewinn verkaufen können.</p>
<p>Wer eine VW-Aktie kauft, ist Miteigentümer der Volkswagen Aktiengesellschaft (AG) in Wolfsburg. Wer eine BASF-Aktie kauft, ist heute Miteigentümer der europäischen BASF SE. SE bedeutet Societas Europaea. Die BASF in Ludwigshafen war früher die Badische Anilin &amp; Soda-Fabrik AG, ist aber seit 2007 keine deutsche AG mehr, sondern eine europäische Aktiengesellschaft. Wer eine Ford-Aktie kauft, ist Miteigentümer der amerikanischen Ford Motor Company, also einer amerikanischen Aktiengesellschaft (= Corporation). Diese Reihe lässt sich beliebig weiterführen für Aktien aus der ganzen Welt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wo sind deutsche Aktiengesellschaften geregelt? </strong></p>
<p>Deutsche Aktiengesellschaften sind im Aktiengesetz (AktG) geregelt. Nach § 1 Abs.1 AktG ist die AG eine eigene Rechtspersönlichkeit. Für ihre Schulden haftet nur das Gesellschaftsvermögen.  Aktionäre haften daher nur mit dem Betrag, den sie beim Kauf der Aktien in die Gesellschaft eingebracht haben.</p>
<p>Das AktG formuliert nirgends explizit, dass der Aktionär Miteigentümer der Gesellschaft ist. Das ergibt sich aber aus der Struktur der Gesellschaft und den Rechten der Aktionäre. Das Eigentum an der Gesellschaft ist in Aktien aufgeteilt und jede Aktie repräsentiert einen Anteil am Gesamteigentum der AG. Mit dem Erwerb einer Aktie wird der Aktionär Mitgesellschafter am Grundkapital, §§ 1 Abs.1, 2 AktG.</p>
<p>Zu beachten sind außerdem folgende Regelungen: Der Aktionär hat z.B. gemäß § 175 AktG das Recht, den Jahresabschluss der AG und deren Lagebericht einzusehen. Bei der jährlichen Hauptversammlung hat der Aktionär nach § 133 AktG ein Stimmrecht, er kann Anträge (§ 126 AktG) und Gegenanträge (§ 127 AktG) stellen. Nach § 58 AktG beschließen die Aktionäre in der Hauptversammlung, wie der erwirtschaftete Gewinn verwendet wird. Beschließen sie, dass der Bilanzgewinn teilweise ausgeschüttet wird, haben die Aktionäre entsprechend ihrem Aktienanteil einen Anspruch auf den ausgeschütteten Gewinn (=Dividende). Insbesondere hat der Aktionär nach § 67 AktG auch das Recht, die Aktien zu verkaufen und zu übertragen und nach § 203 AktG ein Bezugsrecht bei Kapitalerhöhungen. Die Zusammenschau der genannten Vorschriften führt zu dem Ergebnis, dass der Aktionär Miteigentümer der AG ist.</p>
<p>Durch sein Recht, die Aktien wieder zu verkaufen, kann der Aktionär auch noch einen zusätzlichen Gewinn machen. Wenn er die Aktie zu einem niedrigeren Preis gekauft hat als er sie verkauft, ist der Differenzbetrag sein Gewinn. Natürlich kann auch ein Verlust entstehen. Wenn eine Aktie unter dem Wert verkauft wird, zu dem sie eingekauft wurde, entsteht ein Verlust.</p>
<p>Im Folgenden soll nur über Aktien gesprochen werden, die frei und schnell an Börsen handelbar sind. Börsen sind frei zugängliche Märkte, an denen Wertpapiere öffentlich angeboten werden. So kann jeder über seine Bank, Sparkasse oder seinen Broker Aktien kaufen und verkaufen.</p>
<p>Aber wie kommen die Aktien an die Börse?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie kommen Aktien an die Börse? </strong></p>
<p>Solange eine AG privat ist, halten meist die Gründer, Mitarbeiter, Business Angels (= Geschäftsengel) oder Wagniskapitalgeber die Anteile am Unternehmen. Im Fernsehen gibt es die Sendung <em>Die Höhle der Löwen</em>, da werden die Anteile an Aktiengesellschaften nicht an die Öffentlichkeit, sondern an einzelnen Investoren verkauft. Diese Investoren geben den Gründern Kapital, ihr Know-how und stellen ihnen ihre Netzwerke zur Verfügung. Als Gegenleistung bekommen sie die finanzielle Beteiligung am Unternehmen. Sie hoffen, dass sich das Unternehmen mit ihrer Hilfe gut entwickelt. Denn dann können sie ihre Beteiligung später gewinnbringend verkaufen.</p>
<p>Wenn aber eine AG sehr viel mehr Kapital braucht, als das einzelne Personen anbieten können, muss es an die Börse gebracht werden. Denn dort können dann viele Leute aus aller Welt die Aktien kaufen und verkaufen.</p>
<p>So ein Börsengang ist aufwendig. Es gibt auch wieder viele englischen Begriffe, die nicht jedem geläufig sind. Wenn ein Unternehmen seine Aktien erstmals einem breiten Publikum öffentlich anbietet, nennt man das Initial Public Offering (= IPO). Das bedeutet auf Deutsch, dass ein bisher privates Unternehmen sich dazu entschließt, seine Aktien erstmals allen Leuten öffentlich anzubieten. Das geschieht über die Börsen.</p>
<p>Durch so ein IPO kann eine AG auf einen Schlag sehr viel Kapital einsammeln. Denn oft werden seine Aktien nicht nur von Einzelanlegern, sondern auch von Fonds, ETFs, Versicherungen (dies ebenfalls Fonds auflegen) und Pensionskassen auf der ganzen Welt gekauft.</p>
<p>Durch das Angebot seiner Aktien in der Öffentlichkeit hat das Unternehmen aber einen größeren Aufwand als vorher. Denn es muss sehr transparent für Anleger werden. Es hat also beispielsweise eine Pflicht, seine Finanzen offenzulegen und die Bilanzen und dazugehörige Berichte zu veröffentlichen. Nur so können Anleger angemessen darüber entscheiden, ob sie tatsächlich Aktionäre dieses Unternehmens werden wollen oder nicht.</p>
<p>Für den Börsengang müssen die Unternehmen einen Underwriter (oder ein ganzes Konsortium von Underwritern) beauftragen. Das sind Banken, die sich verpflichten, alle von ihnen gezeichneten Aktien (= Aktien, die von ihnen vertrieben werden) selbst zu behalten, wenn die übernommenen Aktien nicht von Anlegern an der Börse gekauft werden. Die Underwriter versichern also, einen Teil der Aktien selbst abzunehmen, wenn sie kein anderer abnimmt. Sie tun aber noch viel mehr. Denn sie analysieren die Finanzen und die Perspektiven des Unternehmens, bestimmen zusammen mit dem Unternehmen die Anzahl der Aktien, die ausgegeben werden sollen und deren Preis. Außerdem muss ein Prospekt über das Unternehmen erstellt werden. Sie nehmen auch den Kontakt zu den Fonds, Versicherungen und Pensionskassen auf, die die Aktien kaufen könnten. Dafür organisieren sie Roadshows (= mobile Touren von Ort zu Ort, auf der das Unternehmen vorgestellt wird), um das Unternehmen zu präsentieren und die Investoren für das Unternehmen und den Kauf von dessen Aktien zu begeistern.</p>
<p>Für das Underwriting (die Zeichnung der Aktien durch die investierenden Banken) müssen die Unternehmen je nach Aufwand zwischen 2 und 8% das Wertes der herausgegebenen (= emittierten) Aktien als Gebühr an die Investmentbanken bezahlen.</p>
<p>An einem vorher festgelegten Tag, dem IPO-Tag, wird das Unternehmen dann an der jeweiligen Börse gelistet. Das kann bei deutschen Aktiengesellschaften die Frankfurter Wertpapierbörse oder eine andere deutsche Börse sein, aber auch eine Börse im Ausland (z.B. die London Stock Exchange, die New York Stock Exchange oder die Shanghai Stock Exchange – Stock Exchange ist ein englischer Ausdruck für Wertpapierbörse). Bei hoher Nachfrage schießt der Aktienkurs hoch, bei geringer Nachfrage kann der Kurs fallen. Die Preise (= Kurse) der Aktien bestimmen sich also nach Angebot und Nachfrage.</p>
<p>Wenn die Aktien an der Börse gelistet sind, können sie von allen Anlegern über ihr Depot bei den Banken, Sparkassen oder Brokern gekauft und verkauft werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie kauft und verkauft man Aktien?</strong></p>
<p>Aktien werden über dein Depot (= Konto für Wertpapiere) gekauft und verkauft.</p>
<p>Rechtlich ist das Depot im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und im Depotgesetz (DepotG) geregelt. Es geht dort um die Verwaltung und Verwahrung von Urkunden. Das kommt aus längst vergangen Zeiten. Damals wurden tatsächlich Wertpapierurkunden für dich von deiner Bank oder Sparkasse in Tresoren verwahrt. Heute geht das alles elektronisch. Der Kauf- und Verkauf von Wertpapieren wird über Computereinträge auf deinem Depot verbucht, der Kaufpreis von deinem Girokonto abgebucht und der Verkaufspreis deinem Girokonto gutgeschrieben.</p>
<p>Wenn du dein Wertpapierdepot nicht bei einer Bank oder Sparkasse, sondern bei einem Broker (= Makler, Berater und Vermittler zwischen dir und der Börse) hast, kann es sein, dass der keine Girokonten führt. Dann hast du bei dem Makler ein Verrechnungskonto. Darauf musst du zunächst Geld überweisen. Der Kauf- und Verkaufspreis wird dann von dem Verrechnungskonto ab- und diesem zugebucht.</p>
<p>In deinem Depot kannst du sehen, wie viele Aktien du hast. Wenn du Aktien kaufst, werden sie deinem Depot zugebucht, wenn du sie verkaufst, werden sich ausgebucht, also aus deinem Depot entfernt.</p>
<p>Ganz wichtig ist auch, dass du in deinem Depot immer den jeweils aktuellen Wert deiner Wertpapiere angezeigt bekommst. Dieser Wert (= Kurs) ändert sich ständig. Der Wert deiner XXX-Aktie kann also heute 20, morgen 24 und übermorgen 15 Euro betragen. Er kann sich bei sehr stark schwankenden Wertpapieren nicht nur täglich, sondern stündlich oder sogar minütlich ändern. Denn wenn eine Aktie gut ist, ist die Nachfrage groß und ihr Kurs steigt. Wenn man eine Aktie für schlecht hält, sinkt die Nachfrage und ihr Kurs sinkt. Damit steigt und fällt auch der Wert deiner gesamten Anlage im Depot.</p>
<p>Um Aktien selbst zu kaufen oder zu verkaufen, brauchst du ihre Nummer. Die musst du im Internet nachschauen. Zum Teil findest du sie auch über die Suchfunktion in deinem Depot. Die deutsche Nummer, die du brauchst, heißt Wertpapierkennnummer (WPK), die internationale Nummer heißt ISIN. ISIN ist die Abkürzung von International Securities Identification Number. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das internationale Wertpapierkennnummer. Die ISIN ist eigentlich die neuere Nummer, weil sie einen Ländercode enthält. Daran erkennt man, in welchem Land die Aktiengesellschaft ihren Sitz hat. Sie ist aber 12-stellig. Deshalb benutzen auch heute noch viele Leute die kürzere WKN.</p>
<p>Wenn du nicht mehr als einen bestimmten Einkaufspreis für eine Aktie bezahlen möchtest, kannst du ein Limit (= einen Grenzwert) eingeben. Das Limit ist nicht nur für dich, sondern auch für die Verkäufer der Aktie sichtbar. Bei einem Limit von beispielsweise 60 Euro für eine Aktie, die bei Abgabe des Kaufgesuchs gerade für 59,95 Euro gehandelt wird, sehen alle Verkäufer dieser Aktie, dass du nicht gewillt bist, mehr als den Limitpreis (also 60 Euro) für die Aktie zu bezahlen. Ohne Limit zahlst du den Preis, der im Zeitpunkt des Kaufs gerade zu zahlen ist. Wenn viele Leute, diese Aktie wollen, kann der Preis (=Kurs) im Zeitpunkt des Kaufs an der Börse gerade auch höher als 60 Euro, z.B. 61 Euro sein. Wenn der Preis im Zeitpunkt des Kaufs niedriger ist als 59,95 Euro, z.B. 59,80, weil wenig Leute an dieser Aktie Interesse haben, bekommst du die Aktie zu dem niedrigeren Preis.</p>
<p>In Deutschland sind alle Wertpapiere in deinem Depot dein Eigentum. Wenn deine Bank, deine Sparkasse oder dein deutscher Broker pleitegeht, kannst du die Wertpapiere in deinem Depot daher vom Insolvenzverwalter herausverlangen. Falls dein Depot bei einer ausländischen Bank oder einem ausländischen Broker ist, wird das schwieriger. Dann musst du einen Rechtsanwalt einschalten, der sich mit einem Rechtsanwalt in dem betreffenden Land in Verbindung setzt und sich die Regelungen in diesem Land erklären lässt. Erst danach kannst du zusammen mit deinem Rechtsanwalt entscheiden, wie ihr genau vorgehen wollt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Welche Risiken haben Aktien?</strong></p>
<p>Aktien sind risikoreich.</p>
<p>An der Börse werden Aktien aus vielen Ländern gehandelt. Man sollte ja nicht nur deutsche, sondern auch Aktien aus anderen Ländern kaufen, um zu diversifizieren und so das Risiko zu verkleinern. Denn wenn es den deutschen Unternehmen schlecht geht, kann es den vergleichbaren Unternehmen in anderen Ländern gut gehen. Schon hier sieht man das erste Risiko von Aktien: Aktien aus anderen Ländern haben ein Währungsrisiko.</p>
<p>Außerdem kennen wir die Aktiengesetze aus anderen Ländern nicht wirklich genau. Wir hoffen nur, dass diese ähnlich sind, wie die im deutschen AktG. Es gibt aber durchaus Länder (z.B. Diktaturen), die bei Unternehmen direkt eingreifen können, wenn ihnen deren Entwicklung nicht passt. Obwohl Aktien Miteigentumsanteile an Privatunternehmen sind, besteht ein politisches Risiko.</p>
<p>Die Entwicklung seiner Aktien sollte man mindestens einmal im Jahr bei der Hauptversammlung der AG verfolgen. Das man als Aktionär an der Hauptversammlung teilnehmen kann, ist das im Inland natürlich leichter als im Ausland.</p>
<p>Besser ist zudem, man verfolgt die Entwicklung der Unternehmen, von denen man Aktien besitzt, noch öfter. Im Grunde muss man ständig lesen, wie es dem Unternehmen geht, an dem man Aktien hält. Denn wenn das Unternehmen berechtigterweise in der Presse nicht gut wegkommt, kann es sein, dass man die Aktie wieder verkaufen möchte. Vielleicht hat man sich über dessen Geschäftszweck, dessen Mitarbeiter oder dessen Führung (Vorstand) getäuscht. Vielleicht hält man mittlerweile ein anderes Unternehmen mit dem gleichen Geschäftszweck für besser und möchte lieber davon Aktien haben.</p>
<p>Beim Kauf von Aktien ist zudem zu beachten, dass Aktien großer Unternehmen meist sicherer sind als Aktien mittlerer und kleinerer Unternehmen. Die Aktien der Unternehmen in entwickelten Ländern sind meist sicherer als die Aktien in Entwicklungsländern. Aktiengesellschaften, die eine ganz neue Technologie herausbringen, sind meist unsicher als Aktiengesellschaften mit etablierten Technologien. Mit den neuen Technologien kann man aber die höchsten Gewinne erzielen, wenn sich diese neue Technologie tatsächlich durchsetzt und das Unternehmen nicht nur überlebt, sondern sich auch noch gut entwickelt.</p>
<p>Selbstverständlich können alle Unternehmen, also auch Aktiengesellschaften, insolvent werden. Dann hast du das eingesetzte Geld für den Kauf der Aktien dieses Unternehmens in der Regel verloren. Manchmal gibt es zwar Gerichtsverfahren vieler Aktionäre (Sammelklagen). Allerdings rechnen sich auch Sammelklagen, selbst wenn du Recht hast, nur dann, wenn bei dem insolventen Unternehmen noch etwas zu holen ist. Sonst wirfst du gutes Geld schlechtem hinterher.</p>
<p>Die Aktien von Unternehmen deines Heimatlandes kannst du in der Presse am besten verfolgen. Aber man sollte auch ausländische Aktien haben. Dann ist das Risiko kleiner. Denn wenn die Aktien in einem Land aufgrund politischer Ereignisse fallen, können Aktien in anderen Ländern, die eine bessere Politik machen, im Wert gleichbleiben oder steigen. Über große und bekannte ausländische Unternehmen wird auch in der deutschen Presse berichtet. Bei kleinen und unbekannten Unternehmen ist das schwieriger und du musst in der ausländischen Presse nachschauen.</p>
<p>Es kommt nicht nur auf die Mitarbeiter, sondern auch auf die Führung (= den Vorstand) der jeweiligen AG an. Wenn Vorstände ihr Unternehmen schlecht lenken, fällt oft auch der Wert des Unternehmens. Denn es kommt ja nicht nur auf die Geschäftsidee, sondern auch auf deren Umsetzung an. Daher tauscht das Überwachungsorgan der AG (= der Aufsichtsrat) schlechte Vorstandsmitglieder schnell aus, was in den Zeitungen steht.</p>
<p>Es kann auch sein, dass zu einer bestimmten Zeit vielen Leuten dieselbe Aktie gefällt, also viele Leute zur gleichen Zeit kaufen. Dann wird der Preis der Aktie höher und man zahlt vielleicht mehr, als das Unternehmen tatsächlich wert ist.</p>
<p>Schon aus diesen Ausführungen wird ersichtlich, dass Aktien nicht ungefährlich sind. Man sollte also kein Geld für einen Aktienkauf verwenden, wenn man das Geld bald wieder braucht. Der Wert der Aktie kann dann niedriger sein. Bei einem Verkauf der Aktien an der Börse bekommt man dann nur den niedrigeren Wert als Verkaufspreis. Wegen der Differenz zwischen den Kauf- und dem Verkaufspreis hat man dann einen Verlust gemacht.</p>
<p>Umgekehrt kann man eine Aktie für wenig Geld gekauft haben, aber das Unternehmen entwickelt sich mit seiner neuen Technologie prächtig. Wenn man dann verkauft, ist der Verkaufspreis meist höher als der Einkaufspreis und man erzielt einen Gewinn, wenn man die Aktien an der Börse wieder verkauft. Das ist ein Grund, warum die Rendite bei Aktien viel höher ist als die Zinsen auf dem Sparkonto.</p>
<p>Wegen der Unsicherheiten bei Aktien rät man meist, dass man in Aktien nur investieren soll, wenn man das Geld, das für den Kaufpreis aufgewendet wurde, mindestens 5 Jahre lang oder besser noch länger entbehren kann. Aktien sind daher keine kurzfristige Anlageart. Man muss das Geld länger entbehren können und gute Nerven haben. Andererseits sind die Renditen von Aktien über lange Zeit betrachtet höher als die von anderen Wertpapieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Schlussbemerkung</strong></p>
<p>Aktien sind als Geldanlage für die Rente hochinteressant. Anfänger sollten daher zumindest Anteile an Aktienfonds oder Aktien-ETFs in ihrem Depot haben (zu den Fonds und den ETFs bitte die Kapitel in meinem Buch <em>Marie und die Geldanlage</em> lesen). Denn durch die Streuung sind Fonds und ETFs etwas ungefährlicher als Einzelaktien.</p>
<p>Unsere Politiker wollen im nächsten Jahr eine Frühstart-Rente für Kinder und Jugendliche einführen. Dazu ist noch nicht alles klar. Man liest, dass auf das private Altersvorsorgedepot der jungen Leute zunächst 10 Euro monatlich vom Staat überwiesen werden sollen. Nach deren Volljährigkeit, also nach dem 18. Lebensjahr, kann das Altersvorsorgedepot dann mit eigenen monatlichen Beiträgen der Jugendlichen aufgestockt werden. Die Erträge aus der Anlage sind steuerfrei. Zugreifen darf man auf das staatlich geförderte Depot aber erst im Rentenalter.</p>
<p>Ein steuerfreies Altersvorsorgedepot ist aus meiner Sicht zu begrüßen. Allerdings ist ebenfalls noch nicht klar, welche Anlagearten für das Frühstart-Renten Depot zugelassen werden. Sind es neben Anleihen, Anleihefonds oder Anleihe-ETFs allein Aktienfonds und Aktien-ETFs oder auch Einzelaktien? Wie steht es mit anderen Anlagearten? Was ist mit Edelmetallen, Kryptowährungen oder an den Börsen gehandelten Derivaten? Letztere sind ja alle nicht ungefährlich.</p>
<p>Die Politiker müssen noch genau abwägen, welche Wertpapiere im steuerfreien Altersvorsorgedepot hinterlegt werden dürfen. Wer nicht zugelassene Anlagearten haben möchte, muss diese dann in ein zweites, ganz normales Depot einbringen. Dort werden die Erträge dann besteuert.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass alle Leute mit den verschiedenen Anlagearten vertraut sind. Leider kommt in unseren Schulen die Finanzbildung noch immer zu kurz. Auch die rechtlichen Aspekte der verschiedenen Anlagearten sind meist unbekannt.</p>
<p>Ich hoffe, dass dieser Artikel und mein Buch <em>Marie und die Geldanlage</em> dazu beitragen, Aktien und die anderen Anlagearten besser zu verstehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Geschäftsfähigkeit</title>
		<link>https://rechtundgeld.de/die-geschaeftsfaehigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[RosaKra]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2025 09:50:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[Einleitung &#160; Kennt ihr das Kinderlied „ich schaff das schon!“? Es stammt von Rolf Zuckowski und ist ein absolutes Mutmachlied. &#160; Das Lied führt uns durch das Leben von Meike. Als sie 1 Jahr alt war, lernte sie laufen und fiel manchmal hin. Dann in der Schule hatte sie im Sport Angst vor dem Barren. Mit 17 hatte sie Liebenskummer und später hatte sie selbst ein Kind in einer kleinen, aber kuscheligen Wohnung. In schwierigen Situationen verlor Meike nie den Mut. Sie sagte sich immer: &#160; „Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine. Ich komm bestimmt, ich komm bestimmt auch wieder auf die Beine. Ich brauch dazu, ich brauch dazu vielleicht ‘ne Menge Kraft. Doch ich hab immerhin, schon was anderes geschafft“. &#160; Ich liebe dieses Lied. Als ich kürzlich ein Kinderbuch schrieb, habe ich es Rolf Zuckowski gewidmet, um mich bei ihm für dieses wunderschöne Kinderlied zu bedanken. &#160; Mein Kinderbuch heißt „Marie und das Geld“. Unter dem Punkt Veröffentlichungen oben auf der Webseite kannst du mehr über das Buch erfahren. &#160; In diesem Artikel möchte ich euch aus dem Kinderbuch die Kapitel über die Geschäftsfähigkeit und den Taschengeldparagrafen aufbereiten. Es geht also dieses Mal vorrangig um das Recht. Die besprochenen Paragrafen findet ihr alle im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Im BGB stehen die Regeln, die zwischen den Bürgern in Deutschland gelten. &#160; Wir wollen folgenden Fragen nachgehen: Was bedeutet Geschäftsfähigkeit? Können Kinder und Jugendliche in jedem Alter Geschäfte abschließen? Welche Regelung beinhaltet der Taschengeldparagraf? &#160; &#160; Was bedeutet Geschäftsfähigkeit? &#160; Die Geschäftsfähigkeit darf nicht mit der Rechtsfähigkeit verwechselt werden. Rechtsfähig ist man nach § 1 BGB mit Vollendung der Geburt. Ab dann darf man schon Rechte und Pflichten haben. Ein gerade geborenes Kind kann z.B. erben. &#160; Bei der Geschäftsfähigkeit geht es darum, ab wann man im Geschäftsleben eigenständig und wirksam handeln kann. Ab wann können Kinder und Jugendliche Verträge abschließen? Welche Rolle spielen die Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten?   Können Kinder in jedem Alter allein ein Eis kaufen? &#160; Da ich euch aus meinem Kinderbuch für diesen Artikel das Bild ausgesucht habe, auf dem die 7-jährige Marie eigenständig ein Eis kauft und bezahlt, ahnt ihr vielleicht schon, dass es im BGB verschiedene Altersstufen für die Geschäftsfähigkeit gibt. &#160; Das Recht ist natürlich in allen Ländern anders. In Deutschland gibt es drei Altersstufen, die besagen, ob und wie geschäftsfähig man ist: Voll geschäftsfähig, geschäftsunfähig und beschränkt geschäftsfähig. &#160; &#160; &#160; Volle Geschäftsfähigkeit ab 18 Jahren &#160; Die Geschäftsfähigkeit beschreibt die rechtliche Fähigkeit einer Person, selbstständig und mit rechtlicher Wirkung (= wirksam) Vereinbarungen abzuschließen, z.B. einen Kaufvertrag. &#160; Wenn man 18 Jahre alt ist, ist man nach § 2 BGB volljährig und damit voll geschäftsfähig. &#160; Wenn man voll geschäftsfähig ist, kann man alles allein ohne die Eltern oder sonstigen gesetzlichen Vertreter machen. Man ist dann aber auch für alles, was man macht, voll verantwortlich. &#160; &#160; &#160; Geschäftsunfähigkeit bis 7 Jahre &#160; Wer nicht volljährig ist, ist minderjährig. Bei den Minderjährigen gibt es zwei Altersstufen. Kinder bis  zu 7 Jahren und Kinder ab 7 Jahre. &#160; Kinder bis zu 7 Jahren sind nach § 104 BGB geschäftsunfähig. &#160; Was bedeutet das? Bei Kindern unter 7 Jahren müssen immer die Eltern die geschäftlichen Sachen regeln. &#160; Die Eltern schließen für Kinder unter 7 Jahren also alle Verträge ab. Wenn jemand z.B. erst 2 Jahre alt ist, müssen die Eltern das Eis für das Kind kaufen. Das ist auch verständlich. Denn wenn man noch so klein ist, versteht man noch nicht alles, was man macht. Wenn man ein Eis kauft, möchte man ein Eis. Aber man versteht noch nicht, dass man im Austausch dafür dem Eisverkäufer einen Kaufpreis zahlen muss. Deshalb ist man nicht geschäftsfähig oder geschäftsunfähig. Die Eltern oder sonstige Erziehungsberechtigten müssen für unter 7-jährige handeln. &#160; Wenn Kinder unter 7 Jahren Verträge abschließen, sind diese nach § 105 BGB nichtig. Nichtig heißt, dass die Geschäfte keine rechtliche Wirkung haben. Selbst wenn der Eisverkäufer dem Kind die Kugel Eis gegeben hätte, dürfte er von dem Kind den Kaufpreis dafür nicht verlangen. Der Eisverkäufer könnte sein Geld für das Eis selbst dann nicht verlangen, wenn das Kind das Eis bereits aufgegessen hätte. Denn Kinder unter 7 Jahren sind geschäftsunfähig. &#160; Kinder unter 7 Jahren brauchen für alle Verträge und sonstige Rechtsgeschäfte immer ihre Eltern oder sonstigen gesetzlichen Vertreter. &#160; &#160; &#160; Beschränkte Geschäftsfähigkeit zwischen 7 und 18 Jahren &#160; Kinder, die 7 Jahre alt sind, sind nach § 106 BGB beschränkt geschäftsfähig. &#160; Was bedeutet das? &#160; Beschränkt geschäftsfähig bedeutet, dass Kinder ab 7 Jahren manche, aber noch nicht alle Sachen allein machen dürfen. Bei ihrer Geschäftsfähigkeit gibt es Schranken. &#160; Geschenke dürfen sie allein annehmen. Wenn ihre Tante ihnen 5 Euro zum Geburtstag schenkt, dürfen sie das Geld in ihre Geldbörse stecken. Denn sie nehmen das Geschenk nur an und haben keine Verpflichtungen deshalb gegenüber ihrer Tante. Wenn Kinder ab 7 Jahren nach dem Gesetz keine Verpflichtung haben, sondern nur einen rechtlichen Vorteil erlangen, dürfen sie allein handeln. Das ergibt sich aus § 107 BGB. Für solche Rechtsgeschäfte brauchen sie nicht die Einwilligung ihrer Eltern. &#160; Manche Geschäfte dürfen sie sogar dann allein abschließen, wenn es Verpflichtungen gibt. Das sind nach § 110 BGB solche Geschäfte, die sie von ihrem Taschengeld bezahlen können. Im Gesetz ist allerdings nicht vom Taschengeld die Rede, sondern von Mitteln, welche die gesetzlichen Vertreter dem Minderjährigen zur freien Verfügung überlassen haben. Damit ist das Taschengeld gemeint. Der § 110 BGB heißt deshalb Taschengeldparagraf. &#160; Was über 7-jährige Kinder nicht mit ihrem Taschengeld bezahlen können, bedarf nach wie vor der Einwilligung, also der vorherigen Zustimmung, ihrer Eltern. Fehlt diese Einwilligung, hängt die Wirksamkeit des Geschäfts nach § 108 BGB von der Genehmigung, also nachträglichen Zustimmung, der Eltern ab. &#160; Aber wie kann ein Verkäufer wissen, was ein Kind als Taschengeld erhält? Man vergleicht da, was die meisten Kinder mit 7 Jahren an Taschengeld von ihren Eltern bekommen bzw. bekommen sollten. Da gibt es Übersichten. Nach dem folgenden Link &#160; https://www.jugendaemter.com/wie-wichtig-ist-taschengeld-fuer-kinder/]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einleitung</strong></p>
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<p>Kennt ihr das Kinderlied „ich schaff das schon!“? Es stammt von Rolf Zuckowski und ist ein absolutes Mutmachlied.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Lied führt uns durch das Leben von Meike. Als sie 1 Jahr alt war, lernte sie laufen und fiel manchmal hin. Dann in der Schule hatte sie im Sport Angst vor dem Barren. Mit 17 hatte sie Liebenskummer und später hatte sie selbst ein Kind in einer kleinen, aber kuscheligen Wohnung. In schwierigen Situationen verlor Meike nie den Mut. Sie sagte sich immer:</p>
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<p>„Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine. Ich komm bestimmt, ich komm bestimmt auch wieder auf die Beine. Ich brauch dazu, ich brauch dazu vielleicht ‘ne Menge Kraft. Doch ich hab immerhin, schon was anderes geschafft“.</p>
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<p>Ich liebe dieses Lied. Als ich kürzlich ein Kinderbuch schrieb, habe ich es Rolf Zuckowski gewidmet, um mich bei ihm für dieses wunderschöne Kinderlied zu bedanken.</p>
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<p>Mein Kinderbuch heißt „Marie und das Geld“. Unter dem Punkt Veröffentlichungen oben auf der Webseite kannst du mehr über das Buch erfahren.</p>
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<p>In diesem Artikel möchte ich euch aus dem Kinderbuch die Kapitel über die Geschäftsfähigkeit und den Taschengeldparagrafen aufbereiten. Es geht also dieses Mal vorrangig um das Recht. Die besprochenen Paragrafen findet ihr alle im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Im BGB stehen die Regeln, die zwischen den Bürgern in Deutschland gelten.</p>
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<p>Wir wollen folgenden Fragen nachgehen: Was bedeutet Geschäftsfähigkeit? Können Kinder und Jugendliche in jedem Alter Geschäfte abschließen? Welche Regelung beinhaltet der Taschengeldparagraf?</p>
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<p><strong>Was bedeutet Geschäftsfähigkeit?</strong></p>
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<p>Die Geschäftsfähigkeit darf nicht mit der Rechtsfähigkeit verwechselt werden. Rechtsfähig ist man nach § 1 BGB mit Vollendung der Geburt. Ab dann darf man schon Rechte und Pflichten haben. Ein gerade geborenes Kind kann z.B. erben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bei der Geschäftsfähigkeit geht es darum, ab wann man im Geschäftsleben eigenständig und wirksam handeln kann. Ab wann können Kinder und Jugendliche Verträge abschließen? Welche Rolle spielen die Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten?   Können Kinder in jedem Alter allein ein Eis kaufen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Da ich euch aus meinem Kinderbuch für diesen Artikel das Bild ausgesucht habe, auf dem die 7-jährige Marie eigenständig ein Eis kauft und bezahlt, ahnt ihr vielleicht schon, dass es im BGB verschiedene Altersstufen für die Geschäftsfähigkeit gibt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das Recht ist natürlich in allen Ländern anders. In Deutschland gibt es drei Altersstufen, die besagen, ob und wie geschäftsfähig man ist: Voll geschäftsfähig, geschäftsunfähig und beschränkt geschäftsfähig.</p>
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<p><strong>Volle Geschäftsfähigkeit ab 18 Jahren</strong></p>
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<p>Die Geschäftsfähigkeit beschreibt die rechtliche Fähigkeit einer Person, selbstständig und mit rechtlicher Wirkung (= wirksam) Vereinbarungen abzuschließen, z.B. einen Kaufvertrag.</p>
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<p>Wenn man 18 Jahre alt ist, ist man nach § 2 BGB volljährig und damit voll geschäftsfähig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn man voll geschäftsfähig ist, kann man alles allein ohne die Eltern oder sonstigen gesetzlichen Vertreter machen. Man ist dann aber auch für alles, was man macht, voll verantwortlich.</p>
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<p><strong>Geschäftsunfähigkeit bis 7 Jahre</strong></p>
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<p>Wer nicht volljährig ist, ist minderjährig. Bei den Minderjährigen gibt es zwei Altersstufen. Kinder bis  zu 7 Jahren und Kinder ab 7 Jahre.</p>
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<p>Kinder bis zu 7 Jahren sind nach § 104 BGB geschäftsunfähig.</p>
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<p>Was bedeutet das? Bei Kindern unter 7 Jahren müssen immer die Eltern die geschäftlichen Sachen regeln.</p>
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<p>Die Eltern schließen für Kinder unter 7 Jahren also alle Verträge ab. Wenn jemand z.B. erst 2 Jahre alt ist, müssen die Eltern das Eis für das Kind kaufen. Das ist auch verständlich. Denn wenn man noch so klein ist, versteht man noch nicht alles, was man macht. Wenn man ein Eis kauft, möchte man ein Eis. Aber man versteht noch nicht, dass man im Austausch dafür dem Eisverkäufer einen Kaufpreis zahlen muss. Deshalb ist man nicht geschäftsfähig oder geschäftsunfähig. Die Eltern oder sonstige Erziehungsberechtigten müssen für unter 7-jährige handeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn Kinder unter 7 Jahren Verträge abschließen, sind diese nach § 105 BGB nichtig. Nichtig heißt, dass die Geschäfte keine rechtliche Wirkung haben. Selbst wenn der Eisverkäufer dem Kind die Kugel Eis gegeben hätte, dürfte er von dem Kind den Kaufpreis dafür nicht verlangen. Der Eisverkäufer könnte sein Geld für das Eis selbst dann nicht verlangen, wenn das Kind das Eis bereits aufgegessen hätte. Denn Kinder unter 7 Jahren sind geschäftsunfähig.</p>
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<p>Kinder unter 7 Jahren brauchen für alle Verträge und sonstige Rechtsgeschäfte immer ihre Eltern oder sonstigen gesetzlichen Vertreter.</p>
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<p><strong>Beschränkte Geschäftsfähigkeit zwischen 7 und 18 Jahren</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kinder, die 7 Jahre alt sind, sind nach § 106 BGB beschränkt geschäftsfähig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was bedeutet das?</p>
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<p>Beschränkt geschäftsfähig bedeutet, dass Kinder ab 7 Jahren manche, aber noch nicht alle Sachen allein machen dürfen. Bei ihrer Geschäftsfähigkeit gibt es Schranken.</p>
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<p>Geschenke dürfen sie allein annehmen. Wenn ihre Tante ihnen 5 Euro zum Geburtstag schenkt, dürfen sie das Geld in ihre Geldbörse stecken. Denn sie nehmen das Geschenk nur an und haben keine Verpflichtungen deshalb gegenüber ihrer Tante. Wenn Kinder ab 7 Jahren nach dem Gesetz keine Verpflichtung haben, sondern nur einen rechtlichen Vorteil erlangen, dürfen sie allein handeln. Das ergibt sich aus § 107 BGB. Für solche Rechtsgeschäfte brauchen sie nicht die Einwilligung ihrer Eltern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Manche Geschäfte dürfen sie sogar dann allein abschließen, wenn es Verpflichtungen gibt. Das sind nach § 110 BGB solche Geschäfte, die sie von ihrem Taschengeld bezahlen können. Im Gesetz ist allerdings nicht vom Taschengeld die Rede, sondern von Mitteln, welche die gesetzlichen Vertreter dem Minderjährigen zur freien Verfügung überlassen haben. Damit ist das Taschengeld gemeint. Der § 110 BGB heißt deshalb Taschengeldparagraf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was über 7-jährige Kinder nicht mit ihrem Taschengeld bezahlen können, bedarf nach wie vor der Einwilligung, also der vorherigen Zustimmung, ihrer Eltern. Fehlt diese Einwilligung, hängt die Wirksamkeit des Geschäfts nach § 108 BGB von der Genehmigung, also nachträglichen Zustimmung, der Eltern ab.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber wie kann ein Verkäufer wissen, was ein Kind als Taschengeld erhält? Man vergleicht da, was die meisten Kinder mit 7 Jahren an Taschengeld von ihren Eltern bekommen bzw. bekommen sollten. Da gibt es Übersichten. Nach dem folgenden Link</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="https://www.jugendaemter.com/wie-wichtig-ist-taschengeld-fuer-kinder/">https://www.jugendaemter.com/wie-wichtig-ist-taschengeld-fuer-kinder/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>sollten 7-jährige z.B. 4 bis 8 Euro im Monat bekommen. Nach diesem Link</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="https://www.taschengeldtabelle.org/">https://www.taschengeldtabelle.org/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>sind es 2 bis 3 Euro pro Woche. Das wären im Monat dann 8 bis 12 Euro.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eine Kugel Eis kostet heute meist 1,50 Euro. Nach beiden Links dürften daher 7-jährige Kinder eine Kugel Eis allein kaufen. Denn sie könnten ihre Verpflichtung zur Zahlung des Kaufpreises aus ihrem Taschengeld bewirken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Selbst wenn ihre Eltern meinen, Eis habe zu viel Zucker und ihren Kindern gesagt haben, sie sollten nur einmal in der Woche eine Kugel Eis kaufen, die Kinder kauften es aber zweimal, weil es so warm war, ist der Kaufvertrag mit dem Eisverkäufer gültig. Denn der durfte nach § 110 BGB davon ausgehen, dass die Kinder das Eis kaufen durften. Sie konnten eine Kugel Eis aus ihrem Taschengeld bezahlen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Für die Einkäufe, die Kinder ab 7 Jahren aber nicht von ihrem Taschengeld bezahlen können, brauchen sie nach wie vor ihre Eltern. Das ist die Schranke bei ihrer Geschäftsfähigkeit. Die Kinder könnten also kein Fahrrad allein kaufen. Das können sie nicht von ihrem Taschengeld bezahlen. Ein Fahrrad ist teurer als das normale Taschengeld von 7-jährigen Kindern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Um alles ohne jede rechtliche Schranke erledigen zu dürfen, müssen junge Leute voll geschäftsfähig, also 18 Jahre alt, sein. Da reicht die beschränkte Geschäftsfähigkeit nicht aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Schlussbemerkung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich habe in diesem Artikel über die Geschäftsfähigkeit geschrieben, weil auch über das Recht häufig ein Grundwissen fehlt. Aus meiner Sicht besteht auch zum Recht in den Schulen ein Nachholbedarf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In meinem Kinderbuch „Marie und das Geld“ gibt es Fragen und Antworten zu den einzelnen Themen. Zur Geschäftsfähigkeit steht da:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Übung und Frage 19:</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Suche § 2 BGB im Internet. Was steht dort?</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Antwort zu Frage 19:</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Ja, dort steht: „Die Volljährigkeit tritt mit der Vollendung des 18. Lebensjahres ein“</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Frage 20:</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Woher weiß man nun, dass Volljährige voll geschäftsfähig sind? Das steht dort doch nicht.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Antwort zu Frage 20:</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Ja, auch richtig. Das steht dort nicht, aber das haben Juristen durch einen Vergleich der Paragrafen zur Geschäftsfähigkeit so interpretiert.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Sie sagen:</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Die Geschäftsfähigkeit ist im BGB mit dem Alter verknüpft. Unter 7 Jahren ist man geschäftsunfähig. Ab 7 Jahren ist man beschränkt geschäftsfähig. Wenn man mit 18 Jahren volljährig ist, kann das dann nur bedeuten, dass man mit 18 Jahren auch voll geschäftsfähig ist.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Das ist ein Beispiel dafür, dass du dich nicht sorgen musst, wenn du nicht alle Paragrafen, die du liest, auch immer verstehst. Unsere Volksvertreter haben die Gesetze nicht so geschrieben, dass alle Regeln vollständig und verständlich sind. Deshalb gibt es die Juristen. Sie studieren das Recht und versuchen dann die Lücken durch ihre Auslegung der Regeln zu schließen.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aus den Fragen und den Antworten wird deutlich, warum auch ein Grundwissen über Recht wichtig ist. Die Gesetze sind manchmal so unvollständig und unverständlich, dass normale Leute sie nicht verstehen können. Aber genau wie bei finanziellen Dingen braucht auch jeder ein Grundwissen über Recht, um im Leben einen Überblick zu haben und gut voranzukommen. Sonst stolpert man ständig und weiß noch nicht einmal, was man seinem Rechtsanwalt sagen soll, wenn es ernst wird. Ich habe einmal gelesen, dass sich 90% der Jugendlichen wünschen, dass Geld und Finanzen ein Schulfach werden. Für Recht gilt das vermutlich auch. Vielleicht könnte man ja flächendeckend ein Schulfach Recht und Geld einführen. Natürlich gibt es bereits gute Ansätze, aber die reichen nach meiner Ansicht nicht aus.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zinseszinseffekt und Inflation</title>
		<link>https://rechtundgeld.de/zinseszinseffekt-und-inflation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[evolved]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jan 2025 10:24:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bankaufsichtsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilrecht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://rechtundgeld.de/?p=2268</guid>

					<description><![CDATA[Einleitung Kennt ihr das Lied „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“?  Der Komiker Robert Steidl hat dieses Lied 1922 geschrieben, als die Inflation sehr hoch war. Als ich jung war, dachte ich, das sei ein Faschingslied. Man konnte so schön dazu schunkeln. Jemand erklärte mir dann, dass das Lied gar nicht so lustig war. Es hat einen ernsten Hintergrund: Die Inflation. Sie galoppierte bis 1923 nur so davon.  Man nannte das Hyperinflation. Nach dem folgenden Link Währungsverfall im Jahr 1923 &#124; bavarikon kostete ein Laib Brot im Mai 1923 knapp 500 Mark, im Juli 1923 bereits über 2.000 Mark. Anfang Oktober schnellte der Preis auf 14 Millionen und betrug dann im November etwa 5 Milliarden Mark. Nach dem Hit von Steidl reichte der Wert des kleinen Häuschens der Oma gerade noch dafür aus, um sich mal so richtig zu betrinken und all die Not der Zeit zu vergessen. Die Hyperinflation war eine Folge des 1. Weltkriegs und der Reparationszahlungen, die Deutschland damals entrichten musste. Gott sei Dank, sind wir von diesen Zeiten heute weit entfernt. Aber merkbare Inflationsraten hatten wir auch in den letzten Jahren. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, einmal den Zinseszinseffekt anzuschauen. Denn dieser wirkt nicht nur beim Sparen, sondern auch in Zeiten der Inflation. Wir sollten den Zinseszinseffekt einfach verstehen. Was bedeutet Zinseszinseffekt? Und was ist eine Inflation? Wie wirkt der Zinseszinseffekt beim Sparen? Wie wirkt er sich in einer Inflation aus? Kann man den Zinseszinseffekt berechnen? Gibt es dafür Rechner? Wer kümmert sich im Staat um die Inflation? Im Folgenden werden diese Fragen beantwortet. &#160; Der Zinseszinseffekt beim Sparen Zunächst zum Zinseszinseffekt auf Geldkonten. Was ist das? Du legst Geld auf ein Spar-, Tagesgeld- oder Festgeldkonto und erhältst von deiner Bank oder Sparkasse darauf Zinsen. Wenn du das Geld länger anlegst, werden nicht nur der Anlagebetrag, sondern zusätzlich auch die Zinsen darauf verzinst. Denn normalerweise werden die Zinsen am Jahresende dem Anlagebetrag gutgeschrieben. So bekommst du im Jahr darauf nicht nur Zinsen auf den Anlagebetrag, sondern auch Zinsen auf die Zinsen. Das nennt man Zinseszinsen. Angenommen, du hast einen Betrag von 5.000 Euro, den du 5 Jahre lang zu 5% Zinsen angelegt: Betrag Zins 5% Mit Zinseszinsen 1.Jahr 5.000 250 5.000 250 2. Jahr 250 5.250 263 3. Jahr 250 5.513 276 4. Jahr 250 5.788 289 5. Jahr 250 6.078 304 Summe 6.250 6.381 &#160; Wenn es nur Zinsen auf die 5.000 Euro gäbe, hätte man am Ende eines jeden Jahres 250 Euro Zinsen und am Ende eine Summe von 6.250 Euro. Dadurch, dass die Zinsen aber jedes Jahr dem Anlagebetrag zugeschlagen werden (beide letzten Spalten), ist die Summe am Ende 6.381 und nicht nur 6.250 Euro. Mit dem Zinseszins wächst dein Geld, je länger du es anlegst und je höher der Zinssatz ist, exponentiell (= beschleunigt) und nicht nur linear (= geradlinig). Denn du erhältst jedes Jahr auf einen höheren Betrag Zinsen, weil nicht nur der Anlagebetrag, sondern faktisch auch die Zinsen darauf verzinst werden. Dafür ein weiteres Beispiel: Du legst 15.000 Euro zu einem Zinssatz von 5% für 4 Jahre an. Dein Endkapital beträgt dann nicht 18.000 (15.000 plus 4 mal 750 Zinsen für jedes Jahr), sondern wegen des Zinseszinseffektes 18.232,59 Euro (also um 232,59 Euro mehr). In der Mathebibel steht folgende Zinseszinsformel: Dabei ist: Vielleicht kannst du das nicht allein ausrechnen, man sollte die Formel aber zumindest einmal gesehen haben. Natürlich gibt es auch Rechner, mit denen man die Zinseszinsen berechnen kann. Mit einem Zinseszinsrechner (im Folgenden der von www.finanzfluss.de , es gibt natürlich auch andere Rechner) ist das einfacher zu berechnen Zinseszinsrechner: Zinsen einfach berechnen Bei 2% Zinsen auf 50.000 Euro werden in 10 Jahren 60.950 Euro, in 20 Jahren 74.297 Euro und in 30 Jahren 90.568 Euro. Bei nur einem Prozent mehr Zinsen, also 3 %, auf 50.000 Euro, werden in 10 Jahren 67.196 Euro, in 20 Jahren 90.306 Euro und 30 Jahren 121.363 Euro. Bei 4% Zinsen auf 50.000 Euro werden in 10 Jahren 74.012 Euro, in 20 Jahren 109.556 Euro und in 30 Jahren 162.170 Euro. Bei dem obigen Rechner kannst du in einem Diagramm den Zinseszinseffekt sehr gut nachvollziehen. Es lohnt sich daher, wenn du deine eigenen Berechnungen machst. Zinseszinsen sind bei der Geldanlage daher sehr erfreulich. Denn je länger man anlegt und je höher der Zinssatz, je höher wird der Zinseszins und je höher wird der Endbetrag. &#160; Zinseszinseffekt und Inflation Ganz so toll, wie es zunächst aussieht, ist der Zinseszinseffekt aber nicht. Denn, wie bereits eingangs erwähnt, verfällt dein Geld durch den Zinseszinseffekt bei einer hohen Inflation genauso schnell. Schon bei 2% Inflation pro Jahr, brauchst du anstatt deiner 50.000 Euro in 10 Jahren 60.950 Euro, um das Gleiche zu bezahlen, in 20 Jahren 74.297 Euro und in 30 Jahren 90.568. Bei nur einem Prozent mehr Inflation, also 3 % Inflation pro Jahr, brauchst du anstatt deiner 50.000 Euro, in 10 Jahren 67.196 Euro, um das gleiche Geld zu haben, nach 20 Jahren 90.306 Euro und nach 30 Jahren 121.363 Euro. Bei 4% Inflation pro Jahr, brauchst du anstatt deiner 50.000 Euro in 10 Jahren 74.012 Euro, um das Gleiche zu bezahlen, in 20 Jahren 109.556 Euro und in 30 Jahren 162.170 Euro. Wenn die Inflation höher ist als die Zinsen, die du auf dein Geld bekommst, wie in den letzten Jahren (im Frühling 2022 war die Inflationsrate 7,4%), verliert dein Geld sofort merklich an Wert. Bei 2% bis 3% Inflation über die Zeit. Als Inflation bezeichnet man den Anstieg des Preisniveaus über einen längeren Zeitraum. Die Inflation führt also zur Entwertung des Geldes. Inflation bedeutet, dass die Kaufkraft deines Geldes abnimmt. Die Inflationsrate (Prozentsatz) zeigt, in welchem Umfang die Preise für Waren und Dienstleistungen im Jahr gestiegen sind. Null bis 2% Inflation sind nach den Aussagen der Zentralbanken normal. Die Zentralbanken auf der ganzen Welt kümmern sich um die Inflation. Sie versuchen, die Inflation im Zaum zu halten. Zentralbanken sind staatliche Stellen. Die Zentralbank in Deutschland heißt Deutsche Bundesbank (DBBk). Sie ist keine private Bank, sondern nach § 1 Gesetz über]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Einleitung</h2>
<p>Kennt ihr das Lied „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“?  Der Komiker Robert Steidl hat dieses Lied 1922 geschrieben, als die Inflation sehr hoch war.</p>
<p>Als ich jung war, dachte ich, das sei ein Faschingslied. Man konnte so schön dazu schunkeln.</p>
<p>Jemand erklärte mir dann, dass das Lied gar nicht so lustig war. Es hat einen ernsten Hintergrund: Die Inflation. Sie galoppierte bis 1923 nur so davon.  Man nannte das Hyperinflation. Nach dem folgenden Link</p>
<p style="text-align: center;"><a href="https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000003318?lang=de">Währungsverfall im Jahr 1923 | bavarikon</a></p>
<p>kostete ein Laib Brot im Mai 1923 knapp 500 Mark, im Juli 1923 bereits über 2.000 Mark. Anfang Oktober schnellte der Preis auf 14 Millionen und betrug dann im November etwa 5 Milliarden Mark.</p>
<p>Nach dem Hit von Steidl reichte der Wert des kleinen Häuschens der Oma gerade noch dafür aus, um sich mal so richtig zu betrinken und all die Not der Zeit zu vergessen.</p>
<p>Die Hyperinflation war eine Folge des 1. Weltkriegs und der Reparationszahlungen, die Deutschland damals entrichten musste.</p>
<p>Gott sei Dank, sind wir von diesen Zeiten heute weit entfernt. Aber merkbare Inflationsraten hatten wir auch in den letzten Jahren.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, einmal den Zinseszinseffekt anzuschauen. Denn dieser wirkt nicht nur beim Sparen, sondern auch in Zeiten der Inflation.</p>
<p>Wir sollten den Zinseszinseffekt einfach verstehen.</p>
<p>Was bedeutet Zinseszinseffekt? Und was ist eine Inflation? Wie wirkt der Zinseszinseffekt beim Sparen? Wie wirkt er sich in einer Inflation aus? Kann man den Zinseszinseffekt berechnen? Gibt es dafür Rechner? Wer kümmert sich im Staat um die Inflation?</p>
<p>Im Folgenden werden diese Fragen beantwortet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Der Zinseszinseffekt beim Sparen </strong></h2>
<p>Zunächst zum Zinseszinseffekt auf Geldkonten. Was ist das?</p>
<p>Du legst Geld auf ein Spar-, Tagesgeld- oder Festgeldkonto und erhältst von deiner Bank oder Sparkasse darauf Zinsen. Wenn du das Geld länger anlegst, werden nicht nur der Anlagebetrag, sondern zusätzlich auch die Zinsen darauf verzinst. Denn normalerweise werden die Zinsen am Jahresende dem Anlagebetrag gutgeschrieben. So bekommst du im Jahr darauf nicht nur Zinsen auf den Anlagebetrag, sondern auch Zinsen auf die Zinsen. Das nennt man Zinseszinsen.</p>
<p>Angenommen, du hast einen Betrag von 5.000 Euro, den du 5 Jahre lang zu 5% Zinsen angelegt:</p>
<table style="height: 494px;" width="362">
<tbody>
<tr>
<td width="80"></td>
<td width="51">Betrag</td>
<td width="51">Zins 5%</td>
<td colspan="2" width="111">Mit Zinseszinsen</td>
</tr>
<tr>
<td width="80"></td>
<td width="51"></td>
<td width="51"></td>
<td width="66"></td>
<td width="45"></td>
</tr>
<tr>
<td width="80">1.Jahr</td>
<td width="51">5.000</td>
<td width="51">250</td>
<td width="66">5.000</td>
<td width="45">250</td>
</tr>
<tr>
<td width="80">2. Jahr</td>
<td width="51"></td>
<td width="51">250</td>
<td width="66">5.250</td>
<td width="45">263</td>
</tr>
<tr>
<td width="80">3. Jahr</td>
<td width="51"></td>
<td width="51">250</td>
<td width="66">5.513</td>
<td width="45">276</td>
</tr>
<tr>
<td width="80">4. Jahr</td>
<td width="51"></td>
<td width="51">250</td>
<td width="66">5.788</td>
<td width="45">289</td>
</tr>
<tr>
<td width="80">5. Jahr</td>
<td width="51"></td>
<td width="51">250</td>
<td width="66">6.078</td>
<td width="45">304</td>
</tr>
<tr>
<td width="80"></td>
<td width="51"></td>
<td width="51"></td>
<td width="66"></td>
<td width="45"></td>
</tr>
<tr>
<td width="80"><strong>Summe</strong></td>
<td width="51"><strong>6.250</strong></td>
<td width="51"></td>
<td width="66"><strong>6.381</strong></td>
<td width="45"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn es nur Zinsen auf die 5.000 Euro gäbe, hätte man am Ende eines jeden Jahres 250 Euro Zinsen und am Ende eine Summe von 6.250 Euro. Dadurch, dass die Zinsen aber jedes Jahr dem Anlagebetrag zugeschlagen werden (beide letzten Spalten), ist die Summe am Ende 6.381 und nicht nur 6.250 Euro.</p>
<p>Mit dem Zinseszins wächst dein Geld, je länger du es anlegst und je höher der Zinssatz ist, exponentiell (= beschleunigt) und nicht nur linear (= geradlinig). Denn du erhältst jedes Jahr auf einen höheren Betrag Zinsen, weil nicht nur der Anlagebetrag, sondern faktisch auch die Zinsen darauf verzinst werden.</p>
<p>Dafür ein weiteres Beispiel: Du legst 15.000 Euro zu einem Zinssatz von 5% für 4 Jahre an. Dein Endkapital beträgt dann nicht 18.000 (15.000 plus 4 mal 750 Zinsen für jedes Jahr), sondern wegen des Zinseszinseffektes 18.232,59 Euro (also um 232,59 Euro mehr).</p>
<p>In der <a href="https://www.mathebibel.de/zinseszinsformel">Mathebibel steht folgende Zinseszinsformel:</a></p>
<p><img decoding="async" class="size-full wp-image-2269 aligncenter" src="https://rechtundgeld.de/wp-content/uploads/2025/01/Zinseszinsformel.png" alt="" width="138" height="65" /></p>
<p>Dabei ist:</p>
<p><img decoding="async" class="size-full wp-image-2270 aligncenter" src="https://rechtundgeld.de/wp-content/uploads/2025/01/zinseszinsformel2.png" alt="" width="131" height="69" /></p>
<p>Vielleicht kannst du das nicht allein ausrechnen, man sollte die Formel aber zumindest einmal gesehen haben. Natürlich gibt es auch Rechner, mit denen man die Zinseszinsen berechnen kann.</p>
<p>Mit einem Zinseszinsrechner (im Folgenden der von <a href="http://www.finanzfluss.de">www.finanzfluss.de</a> , es gibt natürlich auch andere Rechner) ist das einfacher zu berechnen</p>
<p style="text-align: center;"><a href="https://www.finanzfluss.de/rechner/zinseszinsrechner/">Zinseszinsrechner: Zinsen einfach berechnen</a></p>
<p>Bei 2% Zinsen auf 50.000 Euro werden in 10 Jahren 60.950 Euro, in 20 Jahren 74.297 Euro und in 30 Jahren 90.568 Euro. Bei nur einem Prozent mehr Zinsen, also 3 %, auf 50.000 Euro, werden in 10 Jahren 67.196 Euro, in 20 Jahren 90.306 Euro und 30 Jahren 121.363 Euro. Bei 4% Zinsen auf 50.000 Euro werden in 10 Jahren 74.012 Euro, in 20 Jahren 109.556 Euro und in 30 Jahren 162.170 Euro.</p>
<p>Bei dem obigen Rechner kannst du in einem Diagramm den Zinseszinseffekt sehr gut nachvollziehen. Es lohnt sich daher, wenn du deine eigenen Berechnungen machst.</p>
<p>Zinseszinsen sind bei der Geldanlage daher sehr erfreulich. Denn je länger man anlegt und je höher der Zinssatz, je höher wird der Zinseszins und je höher wird der Endbetrag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Zinseszinseffekt und Inflation</strong></h2>
<p>Ganz so toll, wie es zunächst aussieht, ist der Zinseszinseffekt aber nicht. Denn, wie bereits eingangs erwähnt, verfällt dein Geld durch den Zinseszinseffekt bei einer hohen Inflation genauso schnell.</p>
<p>Schon bei 2% Inflation pro Jahr, brauchst du anstatt deiner 50.000 Euro in 10 Jahren 60.950 Euro, um das Gleiche zu bezahlen, in 20 Jahren 74.297 Euro und in 30 Jahren 90.568. Bei nur einem Prozent mehr Inflation, also 3 % Inflation pro Jahr, brauchst du anstatt deiner 50.000 Euro, in 10 Jahren 67.196 Euro, um das gleiche Geld zu haben, nach 20 Jahren 90.306 Euro und nach 30 Jahren 121.363 Euro. Bei 4% Inflation pro Jahr, brauchst du anstatt deiner 50.000 Euro in 10 Jahren 74.012 Euro, um das Gleiche zu bezahlen, in 20 Jahren 109.556 Euro und in 30 Jahren 162.170 Euro.</p>
<p>Wenn die Inflation höher ist als die Zinsen, die du auf dein Geld bekommst, wie in den letzten Jahren (im Frühling 2022 war die Inflationsrate 7,4%), verliert dein Geld sofort merklich an Wert. Bei 2% bis 3% Inflation über die Zeit.</p>
<p>Als Inflation bezeichnet man den Anstieg des Preisniveaus über einen längeren Zeitraum. Die Inflation führt also zur Entwertung des Geldes. Inflation bedeutet, dass die Kaufkraft deines Geldes abnimmt. Die Inflationsrate (Prozentsatz) zeigt, in welchem Umfang die Preise für Waren und Dienstleistungen im Jahr gestiegen sind.</p>
<p>Null bis 2% Inflation sind nach den Aussagen der Zentralbanken normal.</p>
<p>Die Zentralbanken auf der ganzen Welt kümmern sich um die Inflation. Sie versuchen, die Inflation im Zaum zu halten. Zentralbanken sind staatliche Stellen.</p>
<p>Die Zentralbank in Deutschland heißt Deutsche Bundesbank (DBBk). Sie ist keine private Bank, sondern nach § 1 Gesetz über die Deutsche Bundesbank (BBankG) eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, also ein Staatsunternehmen. Nach § 3, S. 2 BBankG ist eine ihrer vorrangigen Aufgaben, die Preisstabilität zu gewährleisten. Für ganz Europa, also auch für Deutschland, hat diese Aufgabe die Europäische Zentralbank (EZB).</p>
<p>Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt, wie dem nachstehenden Link zu entnehmen ist, momentan eine mittelfristige Inflation von 2 Prozent im Jahr an, um die Preisstabilität zu gewährleisten.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="https://www.ecb.europa.eu/ecb-and-you/explainers/tell-me/html/what-is-monetary-policy.de.html#-1">What is monetary policy</a></p>
<p>Wenn die Inflation vom Ziel abweicht, reagiert die EZB mit Leitzinsänderungen: Eine zu hohe Inflationsrate wird mit Zinserhöhungen bekämpft, eine zu niedrige mit Zinssenkungen.</p>
<p>Die Zentralbanken, die in vielen Ländern direkt dem dortigen Finanzministerium unterstehen, spielen also eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Inflation. Es sind staatliche Institutionen, die meist auch die privaten Banken und Sparkassen in dem jeweiligen Land überwachen.</p>
<p>Bei einer Inflation verliert das Geld an Wert. Alle Waren und Dienstleistungen, nicht nur einzelne, werden teurer. Je höher die Inflationsrate, je höher der Zinseszinseffekt auf längere Zeit. Bei einer höheren Inflationsrate über längere Zeit verliert dein Geld also aufgrund des Zinseszinseffektes noch mehr an Kaufkraft.</p>
<p>Geld auf Sparkonten bringen daher zwar Zinsen von den Privatbanken oder Sparkassen, diese werden aber nach dem erklärten Ziel der EZB gegenwärtig immer in Höhe von 2% durch die Inflationsrate gemindert. Wenn die Zentralbanken durch ihre Maßnahmen die Inflationsrate nicht auf 2% begrenzen können, werden die Zinsen auf Sparkonten in der Regel übertroffen und dein Geld verliert an Kaufkraft.</p>
<p>Das sollte genügen, um den Zinseszinseffekt bei den Zinssätzen und der Inflationsrate zu verstehen. Wenn du 40 Jahre alt bist und in 27 Jahren in Rente gehst, weißt du jetzt, dass du eine monatliche Rente in Höhe von 4.779 Euro brauchst, um die Kaufkraft von derzeit 2.800 Euro zu haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong><strong>Zusammenfassung</strong></p>
<p>Der Zinseszinseffekt zeigt uns, dass sich Sparen durchaus lohnt. Kleine, regelmäßig angesparte Beträge auf Spar-, Tagesgeld- und Festgeldkonten wachsen über lange Zeit auf stattlichen Summen an. Dadurch ist langfristiges Sparen durchaus eine gute Strategie für den Vermögensaufbau. Freilich müssen auch die Zinssätze mitspielen. Es darf also keine Nullzinsen oder gar Minuszinsen geben wie in 2014.</p>
<p>Der Zinseszinseffekt ist aber nicht nur ein mächtiges Werkzeug beim Vermögensaufbau. Er wirkt auch bei der Inflation. Während er langfristiges Sparen bei normalen Zinssätzen belohnt, kann er in Zeiten hoher Inflation auch die Kaufkraft mindern. Da wir bis zu 2 % Inflation immer haben, ist es wichtig, auch seine negative Wirkung zu verstehen. Denn unser Geld wird durch die Inflation durch den Zinseszinseffekt auch weniger wert.</p>
<p>Zudem muss man sich merken, dass Zentralbanken (in Deutschland die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank) staatliche Einrichtungen sind. Ihr Auftrag ist unter anderem, sich um die Preisstabilität zu kümmern und hohe Inflationsraten zu verhindern. Die Zentralbanken haben mit den normalen Banken und Sparkassen nichts zu tun. Sie überwachen diese. In manchen Ländern gehören die Zentralbanken zum Finanzministerium.</p>
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