Einleitung
Kennt ihr das Lied Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an? Es stammt von Udo Jürgens und ist zu einer Hymne für Rentner geworden.
Ältere Leute haben oft Angst vor dem Ruhestand. Sie befürchten, dass sie nicht genug Geld haben und auf dem Abstellgleis stehen. Das Lied Mit 66 Jahren vermittelt ihnen mit einem Augenzwinkern die Botschaft, dass das Leben mit Renteneintritt noch lange nicht zu Ende ist. Man kann schließlich immer noch mit dem Motorrad durch die Gegend fegen oder mit den Freunden aus dem Pensionärs-Verein eine Jazz-Band gründen. Außerdem kann man mit der Oma in die Diskothek zum Rocken gehen oder nach San Franzisco fliegen, um sein Rheuma auszukurieren. Mit dem Renteneintritt fängt das Leben eben erst an.
Ich liebe dieses Lied. Als ich kürzlich ein Buch für Jugendliche über die verschiedenen Anlagearten schrieb, habe ich es dem verstorbenen Udo Jürgens gewidmet, um mich für dieses wunderbare Lied zu bedanken.
Mein Buch für Jugendliche heißt Marie und die Geldanlage. Es ist die Fortsetzung meines Kinderbuchs Marie und das Geld. Marie ist nun 14 Jahre alt und möchte alles über Investitionen wissen. Das ist deshalb wichtig, weil man neben der gesetzlichen Rente auch noch eine private Geldanlage braucht, um in der Rente gut leben zu können. Mit der richtigen Geldanlage auf dem Depot kann man dem Rentnerleben ruhig und gelassen entgegensehen.
Unter dem Punkt Veröffentlichungen oben auf der Webseite kannst du mehr über das Buch Marie und die Geldanlage erfahren. Dort steht dazu auch wieder eine kostenlose App zur Verfügung.
In diesem Artikel möchte ich euch aus dem Buch das Kapitel über die Aktien aufbereiten. Zusätzlich zu den Informationen im Buch möchte ich hier noch erklären, wie die Aktien an die Börsen kommen. Denn nur über die Börse sind die Aktien für jeden leicht zu kaufen und zu verkaufen.
Die Aktien habe ich zu Ehren des englischen Anwalts Philip Wood ausgewählt. Als er mir zu dem Kinderbuch Marie und das Geld gratulierte, fragte er, ob ich nicht auch ein Kinderbuch über Aktiengesellschaften schreiben möchte. Denn Aktiengesellschaften seien neben dem Geld eine weitere großartige Erfindung der Menschen. Da ich Philip für sein profundes Wissen und seine rechtsvergleichenden Arbeiten immer sehr bewundert habe, hoffe ich, er verzeiht mir, dass das hier kein Buch, sondern nur ein winzig kleiner Artikel über Aktien ist. Außerdem wird allein auf das deutsche Aktienrecht Bezug genommen. Ein Vergleich verschiedener Rechtsordnungen würde ganze Bücher füllen.
Wir wollen in dem Artikel folgenden Fragen nachgehen: Was sind Aktien? In welchem Gesetz sind Aktiengesellschaften in Deutschland geregelt? Wie kommen Aktien an die Börse, damit sie leicht handelbar sind? Wie kann man Aktien für sein Depot kaufen und verkaufen? Welche Risiken gibt es?
Was sind Aktien?
Aktien kennt jeder vom Hörensagen, aber die wenigsten wissen, was Aktien genau sind. Zu Aktienfonds oder Aktien-ETFs verweise ich auf die entsprechenden Kapitel in meinem Buch.
Aktien sind die bekannteste Form der Wertpapiere (Urkunden, die ein Vermögensrecht verkörpern – diese Urkunden gibt es heute allerdings nicht mehr, weil das Vermögensrecht elektronisch erfasst wird). Sie verbriefen ein Miteigentumsrecht an einer Aktiengesellschaft (AG). Unternehmen, das als AG organisiert sind, heißen Aktiengesellschaften (AGen).
Bei einer AG finanzieren eine Vielzahl von Investoren eine Geschäftsidee, die sie beeindruckt. Als Gegenwert für das investierte Geld bekommen sie einen Miteigentumsrecht an der AG.
Die Geldsumme, die für die großartige, aber riskante Idee benötigt wird, wird in viele kleine Stücke zerlegt, in Aktien. Eine große Zahl von Anlegern kauft eine oder mehrere dieser Aktien. Damit verteilt sich das Risiko zur Verwirklichung der Idee auf viele Schultern. Die Investoren heißen Aktionäre. Ihnen gehört dann das Unternehmen gemeinsam. Wenn für die benötigte Geldsumme beispielsweise 1000 Aktien ausgegeben werden, gehört dem Aktionär, der eine Aktie besitzt, ein Tausendstel des Unternehmens.
Riskant ist die Investition deshalb, weil die Geschäftsidee erst umgesetzt werden muss. Eine Idee ist gut, aber nicht alles. Ihre Umsetzung ist mühsam und erfordert viel Arbeit, Zeit und Geduld.
Natürlich werden Aktien nicht nur bei der Gründung einer AG ausgegeben. Auch wenn bereits geründete Unternehmen weitere Ideen haben oder sich im In- oder Ausland vergrößern wollen, können neue Aktien ausgegeben werden. Wenn die neuen Aktien nicht von den bereits vorhandenen Miteigentümern gekauft werden, erhöht sich die Anzahl der Aktionäre. Bei großen Unternehmen gibt es oft mehrere Hundertausende oder Millionen von Aktionären über die ganze Welt verteilt.
Aktiengesellschaften werden also deshalb gegründet, weil die Unternehmen Kapital brauchen. Die Leute, die die Ideen haben, haben meist selbst nicht genug Geld, um das Unternehmen allein zu finanzieren. Deshalb bekommen sie von anderen, das Geld, das sie brauchen, um ihre Ideen umzusetzen. Im Gegenzug erwarten die Aktionäre, dass die Unternehmensführung und die Mitarbeiter des Unternehmens die Ideen gut umsetzen und Gewinne erzielen.
So können die Unternehmensgründer z.B. das produzieren, was sie verkaufen möchten. Erst nach dem Verkauf nehmen sie Geld ein. Wenn ein Unternehmen z.B. Autos produzieren und verkaufen möchte, braucht es eine Fabrikhalle, Maschinen, Metalle, Werkzeuge, Arbeitnehmer, die zu bezahlen sind, und vieles mehr. Um das Geld für all das zusammen zu bekommen, werden Aktien ausgeben. Die Käufer der Aktien (= Aktionäre) stellen dem Unternehmen das Kapital zur Verfügung, das es braucht, um all die Anschaffungen und Mitarbeiter zu bezahlen. Deshalb werden sie Miteigentümer des Unternehmens. Wenn die Autos dann verkauft werden, kann weiter ausgebaut werden und ein Teil des eingenommenen Geldes auch an die Aktionäre verteilt (= ausgeschüttet) werden, wenn Gewinne erzielt werden und die Mehrheit der Miteigentümer das möchte. Denn die Aktionäre haben als Miteigentümer einen Anspruch auf den ausgeschütteten Gewinn der AG (= Dividende). Außerdem hoffen sie, dass der Wert der Aktie so wächst, dass sie die Aktie mit Gewinn verkaufen können.
Wer eine VW-Aktie kauft, ist Miteigentümer der Volkswagen Aktiengesellschaft (AG) in Wolfsburg. Wer eine BASF-Aktie kauft, ist heute Miteigentümer der europäischen BASF SE. SE bedeutet Societas Europaea. Die BASF in Ludwigshafen war früher die Badische Anilin & Soda-Fabrik AG, ist aber seit 2007 keine deutsche AG mehr, sondern eine europäische Aktiengesellschaft. Wer eine Ford-Aktie kauft, ist Miteigentümer der amerikanischen Ford Motor Company, also einer amerikanischen Aktiengesellschaft (= Corporation). Diese Reihe lässt sich beliebig weiterführen für Aktien aus der ganzen Welt.
Wo sind deutsche Aktiengesellschaften geregelt?
Deutsche Aktiengesellschaften sind im Aktiengesetz (AktG) geregelt. Nach § 1 Abs.1 AktG ist die AG eine eigene Rechtspersönlichkeit. Für ihre Schulden haftet nur das Gesellschaftsvermögen. Aktionäre haften daher nur mit dem Betrag, den sie beim Kauf der Aktien in die Gesellschaft eingebracht haben.
Das AktG formuliert nirgends explizit, dass der Aktionär Miteigentümer der Gesellschaft ist. Das ergibt sich aber aus der Struktur der Gesellschaft und den Rechten der Aktionäre. Das Eigentum an der Gesellschaft ist in Aktien aufgeteilt und jede Aktie repräsentiert einen Anteil am Gesamteigentum der AG. Mit dem Erwerb einer Aktie wird der Aktionär Mitgesellschafter am Grundkapital, §§ 1 Abs.1, 2 AktG.
Zu beachten sind außerdem folgende Regelungen: Der Aktionär hat z.B. gemäß § 175 AktG das Recht, den Jahresabschluss der AG und deren Lagebericht einzusehen. Bei der jährlichen Hauptversammlung hat der Aktionär nach § 133 AktG ein Stimmrecht, er kann Anträge (§ 126 AktG) und Gegenanträge (§ 127 AktG) stellen. Nach § 58 AktG beschließen die Aktionäre in der Hauptversammlung, wie der erwirtschaftete Gewinn verwendet wird. Beschließen sie, dass der Bilanzgewinn teilweise ausgeschüttet wird, haben die Aktionäre entsprechend ihrem Aktienanteil einen Anspruch auf den ausgeschütteten Gewinn (=Dividende). Insbesondere hat der Aktionär nach § 67 AktG auch das Recht, die Aktien zu verkaufen und zu übertragen und nach § 203 AktG ein Bezugsrecht bei Kapitalerhöhungen. Die Zusammenschau der genannten Vorschriften führt zu dem Ergebnis, dass der Aktionär Miteigentümer der AG ist.
Durch sein Recht, die Aktien wieder zu verkaufen, kann der Aktionär auch noch einen zusätzlichen Gewinn machen. Wenn er die Aktie zu einem niedrigeren Preis gekauft hat als er sie verkauft, ist der Differenzbetrag sein Gewinn. Natürlich kann auch ein Verlust entstehen. Wenn eine Aktie unter dem Wert verkauft wird, zu dem sie eingekauft wurde, entsteht ein Verlust.
Im Folgenden soll nur über Aktien gesprochen werden, die frei und schnell an Börsen handelbar sind. Börsen sind frei zugängliche Märkte, an denen Wertpapiere öffentlich angeboten werden. So kann jeder über seine Bank, Sparkasse oder seinen Broker Aktien kaufen und verkaufen.
Aber wie kommen die Aktien an die Börse?
Wie kommen Aktien an die Börse?
Solange eine AG privat ist, halten meist die Gründer, Mitarbeiter, Business Angels (= Geschäftsengel) oder Wagniskapitalgeber die Anteile am Unternehmen. Im Fernsehen gibt es die Sendung Die Höhle der Löwen, da werden die Anteile an Aktiengesellschaften nicht an die Öffentlichkeit, sondern an einzelnen Investoren verkauft. Diese Investoren geben den Gründern Kapital, ihr Know-how und stellen ihnen ihre Netzwerke zur Verfügung. Als Gegenleistung bekommen sie die finanzielle Beteiligung am Unternehmen. Sie hoffen, dass sich das Unternehmen mit ihrer Hilfe gut entwickelt. Denn dann können sie ihre Beteiligung später gewinnbringend verkaufen.
Wenn aber eine AG sehr viel mehr Kapital braucht, als das einzelne Personen anbieten können, muss es an die Börse gebracht werden. Denn dort können dann viele Leute aus aller Welt die Aktien kaufen und verkaufen.
So ein Börsengang ist aufwendig. Es gibt auch wieder viele englischen Begriffe, die nicht jedem geläufig sind. Wenn ein Unternehmen seine Aktien erstmals einem breiten Publikum öffentlich anbietet, nennt man das Initial Public Offering (= IPO). Das bedeutet auf Deutsch, dass ein bisher privates Unternehmen sich dazu entschließt, seine Aktien erstmals allen Leuten öffentlich anzubieten. Das geschieht über die Börsen.
Durch so ein IPO kann eine AG auf einen Schlag sehr viel Kapital einsammeln. Denn oft werden seine Aktien nicht nur von Einzelanlegern, sondern auch von Fonds, ETFs, Versicherungen (dies ebenfalls Fonds auflegen) und Pensionskassen auf der ganzen Welt gekauft.
Durch das Angebot seiner Aktien in der Öffentlichkeit hat das Unternehmen aber einen größeren Aufwand als vorher. Denn es muss sehr transparent für Anleger werden. Es hat also beispielsweise eine Pflicht, seine Finanzen offenzulegen und die Bilanzen und dazugehörige Berichte zu veröffentlichen. Nur so können Anleger angemessen darüber entscheiden, ob sie tatsächlich Aktionäre dieses Unternehmens werden wollen oder nicht.
Für den Börsengang müssen die Unternehmen einen Underwriter (oder ein ganzes Konsortium von Underwritern) beauftragen. Das sind Banken, die sich verpflichten, alle von ihnen gezeichneten Aktien (= Aktien, die von ihnen vertrieben werden) selbst zu behalten, wenn die übernommenen Aktien nicht von Anlegern an der Börse gekauft werden. Die Underwriter versichern also, einen Teil der Aktien selbst abzunehmen, wenn sie kein anderer abnimmt. Sie tun aber noch viel mehr. Denn sie analysieren die Finanzen und die Perspektiven des Unternehmens, bestimmen zusammen mit dem Unternehmen die Anzahl der Aktien, die ausgegeben werden sollen und deren Preis. Außerdem muss ein Prospekt über das Unternehmen erstellt werden. Sie nehmen auch den Kontakt zu den Fonds, Versicherungen und Pensionskassen auf, die die Aktien kaufen könnten. Dafür organisieren sie Roadshows (= mobile Touren von Ort zu Ort, auf der das Unternehmen vorgestellt wird), um das Unternehmen zu präsentieren und die Investoren für das Unternehmen und den Kauf von dessen Aktien zu begeistern.
Für das Underwriting (die Zeichnung der Aktien durch die investierenden Banken) müssen die Unternehmen je nach Aufwand zwischen 2 und 8% das Wertes der herausgegebenen (= emittierten) Aktien als Gebühr an die Investmentbanken bezahlen.
An einem vorher festgelegten Tag, dem IPO-Tag, wird das Unternehmen dann an der jeweiligen Börse gelistet. Das kann bei deutschen Aktiengesellschaften die Frankfurter Wertpapierbörse oder eine andere deutsche Börse sein, aber auch eine Börse im Ausland (z.B. die London Stock Exchange, die New York Stock Exchange oder die Shanghai Stock Exchange – Stock Exchange ist ein englischer Ausdruck für Wertpapierbörse). Bei hoher Nachfrage schießt der Aktienkurs hoch, bei geringer Nachfrage kann der Kurs fallen. Die Preise (= Kurse) der Aktien bestimmen sich also nach Angebot und Nachfrage.
Wenn die Aktien an der Börse gelistet sind, können sie von allen Anlegern über ihr Depot bei den Banken, Sparkassen oder Brokern gekauft und verkauft werden.
Wie kauft und verkauft man Aktien?
Aktien werden über dein Depot (= Konto für Wertpapiere) gekauft und verkauft.
Rechtlich ist das Depot im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und im Depotgesetz (DepotG) geregelt. Es geht dort um die Verwaltung und Verwahrung von Urkunden. Das kommt aus längst vergangen Zeiten. Damals wurden tatsächlich Wertpapierurkunden für dich von deiner Bank oder Sparkasse in Tresoren verwahrt. Heute geht das alles elektronisch. Der Kauf- und Verkauf von Wertpapieren wird über Computereinträge auf deinem Depot verbucht, der Kaufpreis von deinem Girokonto abgebucht und der Verkaufspreis deinem Girokonto gutgeschrieben.
Wenn du dein Wertpapierdepot nicht bei einer Bank oder Sparkasse, sondern bei einem Broker (= Makler, Berater und Vermittler zwischen dir und der Börse) hast, kann es sein, dass der keine Girokonten führt. Dann hast du bei dem Makler ein Verrechnungskonto. Darauf musst du zunächst Geld überweisen. Der Kauf- und Verkaufspreis wird dann von dem Verrechnungskonto ab- und diesem zugebucht.
In deinem Depot kannst du sehen, wie viele Aktien du hast. Wenn du Aktien kaufst, werden sie deinem Depot zugebucht, wenn du sie verkaufst, werden sich ausgebucht, also aus deinem Depot entfernt.
Ganz wichtig ist auch, dass du in deinem Depot immer den jeweils aktuellen Wert deiner Wertpapiere angezeigt bekommst. Dieser Wert (= Kurs) ändert sich ständig. Der Wert deiner XXX-Aktie kann also heute 20, morgen 24 und übermorgen 15 Euro betragen. Er kann sich bei sehr stark schwankenden Wertpapieren nicht nur täglich, sondern stündlich oder sogar minütlich ändern. Denn wenn eine Aktie gut ist, ist die Nachfrage groß und ihr Kurs steigt. Wenn man eine Aktie für schlecht hält, sinkt die Nachfrage und ihr Kurs sinkt. Damit steigt und fällt auch der Wert deiner gesamten Anlage im Depot.
Um Aktien selbst zu kaufen oder zu verkaufen, brauchst du ihre Nummer. Die musst du im Internet nachschauen. Zum Teil findest du sie auch über die Suchfunktion in deinem Depot. Die deutsche Nummer, die du brauchst, heißt Wertpapierkennnummer (WPK), die internationale Nummer heißt ISIN. ISIN ist die Abkürzung von International Securities Identification Number. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das internationale Wertpapierkennnummer. Die ISIN ist eigentlich die neuere Nummer, weil sie einen Ländercode enthält. Daran erkennt man, in welchem Land die Aktiengesellschaft ihren Sitz hat. Sie ist aber 12-stellig. Deshalb benutzen auch heute noch viele Leute die kürzere WKN.
Wenn du nicht mehr als einen bestimmten Einkaufspreis für eine Aktie bezahlen möchtest, kannst du ein Limit (= einen Grenzwert) eingeben. Das Limit ist nicht nur für dich, sondern auch für die Verkäufer der Aktie sichtbar. Bei einem Limit von beispielsweise 60 Euro für eine Aktie, die bei Abgabe des Kaufgesuchs gerade für 59,95 Euro gehandelt wird, sehen alle Verkäufer dieser Aktie, dass du nicht gewillt bist, mehr als den Limitpreis (also 60 Euro) für die Aktie zu bezahlen. Ohne Limit zahlst du den Preis, der im Zeitpunkt des Kaufs gerade zu zahlen ist. Wenn viele Leute, diese Aktie wollen, kann der Preis (=Kurs) im Zeitpunkt des Kaufs an der Börse gerade auch höher als 60 Euro, z.B. 61 Euro sein. Wenn der Preis im Zeitpunkt des Kaufs niedriger ist als 59,95 Euro, z.B. 59,80, weil wenig Leute an dieser Aktie Interesse haben, bekommst du die Aktie zu dem niedrigeren Preis.
In Deutschland sind alle Wertpapiere in deinem Depot dein Eigentum. Wenn deine Bank, deine Sparkasse oder dein deutscher Broker pleitegeht, kannst du die Wertpapiere in deinem Depot daher vom Insolvenzverwalter herausverlangen. Falls dein Depot bei einer ausländischen Bank oder einem ausländischen Broker ist, wird das schwieriger. Dann musst du einen Rechtsanwalt einschalten, der sich mit einem Rechtsanwalt in dem betreffenden Land in Verbindung setzt und sich die Regelungen in diesem Land erklären lässt. Erst danach kannst du zusammen mit deinem Rechtsanwalt entscheiden, wie ihr genau vorgehen wollt.
Welche Risiken haben Aktien?
Aktien sind risikoreich.
An der Börse werden Aktien aus vielen Ländern gehandelt. Man sollte ja nicht nur deutsche, sondern auch Aktien aus anderen Ländern kaufen, um zu diversifizieren und so das Risiko zu verkleinern. Denn wenn es den deutschen Unternehmen schlecht geht, kann es den vergleichbaren Unternehmen in anderen Ländern gut gehen. Schon hier sieht man das erste Risiko von Aktien: Aktien aus anderen Ländern haben ein Währungsrisiko.
Außerdem kennen wir die Aktiengesetze aus anderen Ländern nicht wirklich genau. Wir hoffen nur, dass diese ähnlich sind, wie die im deutschen AktG. Es gibt aber durchaus Länder (z.B. Diktaturen), die bei Unternehmen direkt eingreifen können, wenn ihnen deren Entwicklung nicht passt. Obwohl Aktien Miteigentumsanteile an Privatunternehmen sind, besteht ein politisches Risiko.
Die Entwicklung seiner Aktien sollte man mindestens einmal im Jahr bei der Hauptversammlung der AG verfolgen. Das man als Aktionär an der Hauptversammlung teilnehmen kann, ist das im Inland natürlich leichter als im Ausland.
Besser ist zudem, man verfolgt die Entwicklung der Unternehmen, von denen man Aktien besitzt, noch öfter. Im Grunde muss man ständig lesen, wie es dem Unternehmen geht, an dem man Aktien hält. Denn wenn das Unternehmen berechtigterweise in der Presse nicht gut wegkommt, kann es sein, dass man die Aktie wieder verkaufen möchte. Vielleicht hat man sich über dessen Geschäftszweck, dessen Mitarbeiter oder dessen Führung (Vorstand) getäuscht. Vielleicht hält man mittlerweile ein anderes Unternehmen mit dem gleichen Geschäftszweck für besser und möchte lieber davon Aktien haben.
Beim Kauf von Aktien ist zudem zu beachten, dass Aktien großer Unternehmen meist sicherer sind als Aktien mittlerer und kleinerer Unternehmen. Die Aktien der Unternehmen in entwickelten Ländern sind meist sicherer als die Aktien in Entwicklungsländern. Aktiengesellschaften, die eine ganz neue Technologie herausbringen, sind meist unsicher als Aktiengesellschaften mit etablierten Technologien. Mit den neuen Technologien kann man aber die höchsten Gewinne erzielen, wenn sich diese neue Technologie tatsächlich durchsetzt und das Unternehmen nicht nur überlebt, sondern sich auch noch gut entwickelt.
Selbstverständlich können alle Unternehmen, also auch Aktiengesellschaften, insolvent werden. Dann hast du das eingesetzte Geld für den Kauf der Aktien dieses Unternehmens in der Regel verloren. Manchmal gibt es zwar Gerichtsverfahren vieler Aktionäre (Sammelklagen). Allerdings rechnen sich auch Sammelklagen, selbst wenn du Recht hast, nur dann, wenn bei dem insolventen Unternehmen noch etwas zu holen ist. Sonst wirfst du gutes Geld schlechtem hinterher.
Die Aktien von Unternehmen deines Heimatlandes kannst du in der Presse am besten verfolgen. Aber man sollte auch ausländische Aktien haben. Dann ist das Risiko kleiner. Denn wenn die Aktien in einem Land aufgrund politischer Ereignisse fallen, können Aktien in anderen Ländern, die eine bessere Politik machen, im Wert gleichbleiben oder steigen. Über große und bekannte ausländische Unternehmen wird auch in der deutschen Presse berichtet. Bei kleinen und unbekannten Unternehmen ist das schwieriger und du musst in der ausländischen Presse nachschauen.
Es kommt nicht nur auf die Mitarbeiter, sondern auch auf die Führung (= den Vorstand) der jeweiligen AG an. Wenn Vorstände ihr Unternehmen schlecht lenken, fällt oft auch der Wert des Unternehmens. Denn es kommt ja nicht nur auf die Geschäftsidee, sondern auch auf deren Umsetzung an. Daher tauscht das Überwachungsorgan der AG (= der Aufsichtsrat) schlechte Vorstandsmitglieder schnell aus, was in den Zeitungen steht.
Es kann auch sein, dass zu einer bestimmten Zeit vielen Leuten dieselbe Aktie gefällt, also viele Leute zur gleichen Zeit kaufen. Dann wird der Preis der Aktie höher und man zahlt vielleicht mehr, als das Unternehmen tatsächlich wert ist.
Schon aus diesen Ausführungen wird ersichtlich, dass Aktien nicht ungefährlich sind. Man sollte also kein Geld für einen Aktienkauf verwenden, wenn man das Geld bald wieder braucht. Der Wert der Aktie kann dann niedriger sein. Bei einem Verkauf der Aktien an der Börse bekommt man dann nur den niedrigeren Wert als Verkaufspreis. Wegen der Differenz zwischen den Kauf- und dem Verkaufspreis hat man dann einen Verlust gemacht.
Umgekehrt kann man eine Aktie für wenig Geld gekauft haben, aber das Unternehmen entwickelt sich mit seiner neuen Technologie prächtig. Wenn man dann verkauft, ist der Verkaufspreis meist höher als der Einkaufspreis und man erzielt einen Gewinn, wenn man die Aktien an der Börse wieder verkauft. Das ist ein Grund, warum die Rendite bei Aktien viel höher ist als die Zinsen auf dem Sparkonto.
Wegen der Unsicherheiten bei Aktien rät man meist, dass man in Aktien nur investieren soll, wenn man das Geld, das für den Kaufpreis aufgewendet wurde, mindestens 5 Jahre lang oder besser noch länger entbehren kann. Aktien sind daher keine kurzfristige Anlageart. Man muss das Geld länger entbehren können und gute Nerven haben. Andererseits sind die Renditen von Aktien über lange Zeit betrachtet höher als die von anderen Wertpapieren.
Schlussbemerkung
Aktien sind als Geldanlage für die Rente hochinteressant. Anfänger sollten daher zumindest Anteile an Aktienfonds oder Aktien-ETFs in ihrem Depot haben (zu den Fonds und den ETFs bitte die Kapitel in meinem Buch Marie und die Geldanlage lesen). Denn durch die Streuung sind Fonds und ETFs etwas ungefährlicher als Einzelaktien.
Unsere Politiker wollen im nächsten Jahr eine Frühstart-Rente für Kinder und Jugendliche einführen. Dazu ist noch nicht alles klar. Man liest, dass auf das private Altersvorsorgedepot der jungen Leute zunächst 10 Euro monatlich vom Staat überwiesen werden sollen. Nach deren Volljährigkeit, also nach dem 18. Lebensjahr, kann das Altersvorsorgedepot dann mit eigenen monatlichen Beiträgen der Jugendlichen aufgestockt werden. Die Erträge aus der Anlage sind steuerfrei. Zugreifen darf man auf das staatlich geförderte Depot aber erst im Rentenalter.
Ein steuerfreies Altersvorsorgedepot ist aus meiner Sicht zu begrüßen. Allerdings ist ebenfalls noch nicht klar, welche Anlagearten für das Frühstart-Renten Depot zugelassen werden. Sind es neben Anleihen, Anleihefonds oder Anleihe-ETFs allein Aktienfonds und Aktien-ETFs oder auch Einzelaktien? Wie steht es mit anderen Anlagearten? Was ist mit Edelmetallen, Kryptowährungen oder an den Börsen gehandelten Derivaten? Letztere sind ja alle nicht ungefährlich.
Die Politiker müssen noch genau abwägen, welche Wertpapiere im steuerfreien Altersvorsorgedepot hinterlegt werden dürfen. Wer nicht zugelassene Anlagearten haben möchte, muss diese dann in ein zweites, ganz normales Depot einbringen. Dort werden die Erträge dann besteuert.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass alle Leute mit den verschiedenen Anlagearten vertraut sind. Leider kommt in unseren Schulen die Finanzbildung noch immer zu kurz. Auch die rechtlichen Aspekte der verschiedenen Anlagearten sind meist unbekannt.
Ich hoffe, dass dieser Artikel und mein Buch Marie und die Geldanlage dazu beitragen, Aktien und die anderen Anlagearten besser zu verstehen.
